bye bye

Die Rechtslage für Mountainbiker in NRW ist bekannt und durchaus als MTB-freundlich zu bezeichnen. Nähere Einzelheiten findet ihr auf meiner Homepage in diesem Artikel.
Wie das in unseren Nachbarländern Belgien und den Niederlanden aussieht, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen.
In letzter Zeit gab es aber in zunehmender Zahl Hinweise, dass die Behörden in Belgien, das doch eigentlich den Ruf hat, radsportverrückt zu sein, Geldbußen gegen Mountainbiker verhängen.

Gestern bin ich dann per Zufall auf einen Artikel vom 22.06.2020 gestoßen, der die aktuelle Lage und die Hintergründe zusammenfasst. Ich habe diesen mal von deepL übersetzen lassen.

Quelle: https://mtbroutedatabase.be/nieuws/2020/wallonie-treedt-strenger-op-tegen-onwettig-biken.htm, die als Quelle "www.mountainbike.be" angeben

22-06-2020 - Planen Sie auch eine Reise in die Ardennen und glauben Sie, dass Sie von den breiteren Wegen oder dem offiziellen Routennetz abweichen werden? Dann laufen Sie - vielleicht ohne es zu merken - zunehmend Gefahr, eine saftige Geldstrafe zu erhalten. Und das bedeutet vor allem für die Enduro-Welt ein Problem.

Vielleicht hat es mit der Korona zu tun, die viele Rennen, Touren und Radtouren in Gruppen zum Verschwinden bringt, und der erfahrene flämische Mountainbiker fährt öfter für einen Tag oder ein verlängertes Wochenende in die Ardennen, um sich mit dem Fahrrad zu vergnügen. Oder vielleicht hat es auch nur mit der wachsenden Beliebtheit des Endurosports zu tun, oder mit solchen aller Art von Routen-Apps, die auf ihren Karten oft auch verbotene Wege enthalten. Tatsache ist: Die Förster und die Verwaltung des wallonischen Pendants der Agentur für Natur und Wälder (das Department of Nature and Forests, kurz DNF) sind in letzter Zeit bei der Durchsetzung ihrer Regeln repressiver geworden. Diese Regeln gibt es schon seit Jahren, aber in der Praxis wurden sie in der Vergangenheit sehr gut toleriert.

Beispiele für diesen strengeren Ansatz? Die Macher und Biker des kürzlich veröffentlichten Videos "The Steep Escape" erhielten von der DNF eine offizielle Warnung, die besagt, dass einige der gefilmten Passagen für Mountainbiker verboten sind. Es kursieren auch Geschichten in der Gemeinde, dass in letzter Zeit in den Wäldern von Stoumont mehr Geldstrafen verhängt wurden, nachdem zuvor Fälle in Malmedy und in den Tälern der Vesdre und des Ninglinspo bekannt waren. Anderswo in Wallonien wurde die Zusammenarbeit zwischen offiziellen Stellen und engagierten Langstreckenfahrern vor einigen Monaten stark behindert, als andere Biker begannen, illegale Strecken mitten in den gleichen Wäldern zu bauen.

 

Es besteht eine reelle Chance, dass einige der Täter gar nicht merken, dass sie außerhalb des gesetzlichen Rahmens gelandet sind. Wo in den Wäldern der flämischen Ardennen zum Beispiel immer klar angegeben ist, wo man radfahren darf und wo nicht, ist das in den besonders ausgedehnten Wäldern der echten Ardennen anders, und deshalb ist eine gute Kenntnis der wallonischen Regeln erforderlich.

Aber was genau ist damit? Wir klopften an die Tür von Koenraad Vanschoren als Anwalt und Organisator des BeMC in La Roche. Was hat sich als der Fall erwiesen? Die Radfahrer in Wallonien müssen sich an die so genannten "chemins" halten, öffentliche Wege, die mindestens einen Meter breit sind. Wer auf den "Sentiers", den bestehenden öffentlichen Fußwegen, die schmaler als ein Meter sind, gehen will, kann dies nur auf denjenigen tun, die in das ausgeschilderte Routennetz für Radfahrer eingebunden sind. Zusammengefasst in MTB-Worten: Das Fahren auf Einzelstrecken ist nur erlaubt, wenn sie Teil einer offiziell ausgeschilderten Route sind, ansonsten sind sie Wanderern vorbehalten. Sich selbst einen Weg durch den Wald zu bahnen oder Schilder, die auf Privatbesitz hinweisen, zu ignorieren, ist natürlich völlig verboten und liegt nicht in der grauen Dämmerungszone, sondern im tiefen Schwarz.

Die Geldstrafen, die man riskiert, wenn man auf einer Fährte erwischt wird, auf der man nicht sein darf, sind nicht weich: 200 bis 800 Euro Strafe. Dies kann zweimal geschehen, wenn Sie in einer Gruppe gefangen sind, in der Nacht oder zwischen dem 1. März und dem 30. Juni. Ziemlich viel Geld, aber eigentlich riskiert man noch mehr als das: dass Organisationen und lokale Vereine durch das Verhalten anderer bei ihren Verhandlungen mit den offiziellen Stellen oder privaten Eigentümern in Schwierigkeiten geraten und dadurch ihre Genehmigungen verlieren, um einmal mit ihrer Veranstaltung oder ihrer Tour über einzelne Strecken zu fahren, die normalerweise verboten sind, oder um neue offizielle Wege zu bauen. Es könnte ein ziemlicher Schlag für den Mountainbike-Sport in unserem Land sein.

Jeder in seinem eigenen Schoß
Wenn Sie uns fragen, ist es an der Zeit, dass jeder in seinen eigenen Schoß schaut: Radfahrer, die sich an alle Regeln halten, weit über die Grauzone hinaus, aber vor allem die Behörden selbst. Aufgrund der Regeln und des aktuellen MTB-Angebots sind die Fans von Enduro (oder technisch gesehen Tout Court) fast ausschließlich auf die wenigen Bikeparks beschränkt, die es in unserem Land gibt. Oder wie der Macher von "The Steep Escape" sagt: "Endurosport ist in Belgien de facto illegal". Ein idealer Zeitpunkt, um nach dem Vorbild anderer europäischer Länder wieder mit der Regierung ins Gespräch zu kommen, um ein anspruchsvolleres MTB-Netz aufzubauen, an das sich alle Radfahrer halten und das auch der Regierung zugute kommt (lies: Tourismus). Stimmt das nicht?

Das dürfte es dann wohl (zunächst) für die 3-Bäche-Tour und erst recht für die vor kurzem angedachte und teilweise schon erkundete optimierte 3-Bäche-Tour-Version 2 gewesen sein.

Allerdings wollen die belgischen Mountainbiker die Beschränkungen nicht tatenlos hinnehmen. Die Mountain Bikers Foundation (MBF) Belgium hat innerhalb kürzester Zeit 18.000 Unterschriften für eine Petition gesammelt und es haben auch schon erste Gespräche stattgefunden (nähere Einzelheiten hier).

So wie ich das verstehe, beschränken sich die Maßnahmen der Behörden (noch) auf die Wallonie. Der flämische Teil (also z.B. die Trails in den Hogen Kempen in der Provinz Limburg) scheint noch nicht betroffen zu sein. Allerdings ist die Gesetzeslage dort die gleiche wie in der Wallonie.

Welche Möglichkeiten bleiben denn nun den vom Ardennenfieber befallenen Bikern? Mir fallen verschiedene ein:
1. Touren auf die ausgeschilderten und/oder auf mindestens 1 Meter breite Wege beschränken. Dateien zum Nachfahren könnt ihr bei www.mtbroutedatabase.be runterladen. Ich habe den Link auf die Region Lüttich voreingestellt. Allerdings Vorsicht, ihr dürft nur die mit dem MTB-Zeichen markierten Routen legal nachfahren. Es werden auch welche angeboten, die nicht markiert sind. Da lauft ihr natürlich auch Gefahr, erwischt zu werden und bezahlen zu müssen. Über die Qualität der offiziellen MTB-Routen kann ich zur Zeit noch nicht so viel sagen. Vielleicht probiere ich in nächster Zeit mal die eine oder andere. Dann weiß ich mehr und werde euch informieren.  
2. den vor kurzem eröffneten Stoneman Arduenna (176km/3400 Höhenmeter) ganz oder in Teilstücken nachfahren. Diejenigen, die ich kenne und die den Stoneman gefahren sind, waren durchaus begeistert.
3. die regelmäßig angebotenen Randonees (bei uns eher als CTF bekannt) nutzen. Termine findet ihr bspw. bei www.mountainbike.be. Dort bitte "Provincie" auf "Luik" stellen. Allerdings sind derzeit die meisten Veranstaltungen wegen Corona abgesagt.
4. Die derzeit wahrscheinlich schlechteste Option (siehe weiter oben im zitierten Artikel): Darauf hoffen, beim Biken auf "illegalen" Trails nicht erwischt zu werden.

Alles nicht erfreulich, aber es besteht Hoffnung.

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