Solo55-2012-08-18_10-23-08-0057sKennt ihr das auch? Man fährt eine wunderschöne, aber auch sehr anstrengende Tour. Irgendwann kommt man dann an den Punkt, wo man sich fragt, warum man sich das antut und wann das Leiden endlich aufhört. Kaum zu Hause angekommen beginnt dann das Kopfkino und man kann es gar nicht abwarten, wieder dorthin zu kommen. Genauso ist es mir diese Woche gegangen. Am vergangenen Samstag sind wir ja die Joe-Challenge gefahren. Das Kopfkino wollte überhaupt nicht aufhören zu laufen. Für dieses Wochenende war der heißeste Tag des Jahres vorhergesagt, Joe hatte seine letzte Urlaubswoche zwischen. In den Ardennen gab es selten bessere, weil trockenere Bedingungen, wie jetzt. Was blieb uns übrig, als unseren Gefühlen nachzugeben und wieder mal 2,5 Stunden Autofahrt auf uns zu nehmen, um in unsere geliebten Ardennen zu kommen.

 

Vor einigen Jahren hatte ich die Seite www.solosride.be entdeckt. Ich versuche mich mal an einer Übersetzung. Auf der Webseite steht u.a.:

Was als eine Suche nach einem schweren Trainingsparcours in den Ardennen begann, um ausländische MTB-Marathons vorzubereiten, ist inzwischen zu einer Sammlung geworden, um dich herauszufordern. Alle Routen sind letztendlich eine Herausforderung für sich geworden und eigentlich zu schwer um noch von Training zu sprechen. Elias und Stef haben zuerst, ohne voneinander zu wissen, eine Route gesucht mit so vielen Höhenmetern wie möglich, technisch schwierigen Stücken aber die auch viel Naturerlebnis  und Ruhe beinhaltet. Wirklich lange Anstiege sind in Belgien nicht vorhanden, aber wenn man viele kürzere Anstiegen nacheinander fährt, sollten deine Beine sich trotzdem fragen, ob sie nicht vielleicht doch im Gebirge sind.

Die beiden schreiben weiter:

Stef Reynaerts suchte wie Elias Van Hoeydonck in der gleichen Gegend und mit den gleichen Überlegungen nach einem Rundkurs, der um die 100 Kilometer lang war und ca. 4000 Höhenmeter aufwies. Die Idee dazu kam den beiden anlässlich der Marathon-Weltmeisterschaft 2007 in Verviers, wo bei ersten Berichten von über 4000 Höhenmetern für die ganze Runde die Rede war. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es dann doch nicht so viel war, aber sie frugen sich, ob es nicht doch möglich war, in Belgien eine Route von 100 Kilometern und 4.000 Höhenmetern zusammenzustellen. Diese musste eine reine MTB-Runde werden mit viel Abwechslung, steilen Anstiegen, schwierigen Abfahrten aber vor allem Ruhe und das Gefühl, weg von der Welt zu sein in einer Gegend, die durch viele Biker als die schönste von Belgien bezeichnet wird. Der längste Strecke ist schließlich 108km/3800 Höhenmeter geworden, aber es gibt auch 2 kürzere mit 85km/2600 Hömes und 55km/1750 Hömes. Alle beginnen und enden in Remouchamps und sind die Anreise mehr als wert.

Alle können (wenn man das möchte) auf Zeit gefahren werden. Auf der Webseite gibt es eine Bestenliste, in die man Aufnahme finden kann, wenn man den Jungs die unbearbeitete Trackaufzeichnung zusendet. Dabei steht einem der Startpunkt frei.

Wir hatte uns als Startpunkt für La Reid und nach den Erfahrungen vom vorigen Samstag für Solo's Ride 55 entschieden. La Reid ist für uns am kürzesten zu erreichen und liegt zudem so ziemlich am niedrigsten Punkt der Strecke. Ich hatte wieder nach den guten Erfahrungen bei der Joe-Challenge 2 Ausstiegspunkte definiert, an denen man den GPS-Track verlassen und in wenigen Kilometern nur bergab rollend wieder den Startpunkt erreichen konnte.

Wie wir auf der Karte sehen konnten war der Anfang inklusive der Fahrtrichtung bis Remouchamps deckungsgleich mit der Joe-Challenge. Ab dort folgten dann einige neue Abschnitte, ehe wieder Teile der Joe-Challenge folgten, diesmal aber entgegengesetzt zur Fahrtrichtung von vorigem Samstag. Das Höhenprofil sah so aus:Solos_55-2012-ab-La-Reid-Hoehenprofil

Genug der Vorrede, ihr wartet sicherlich schon gespannt darauf, wie es uns gegangen ist. "Uns" waren an diesem Tag Joe, Christoph, Markus und ich.

Los ging es um 8.00 Uhr. Es war eine Spitzentemperatur von 35 Grad vorhergesagt, am Morgen war es aber noch weit davon entfernt, zudem ist es in den Ardennen nie ganz so warm und wir sollten uns ja größtenteils im kühleren Wald aufhalten. Zuerst ein paar Kilometer über Asphalt rollen mit einem moderaten Anstieg ehe wir dann in den Wald einbogen, den wir so schnell auch nicht mehr verlassen sollten ;-). Der Anfang begann noch eher moderat, aber wegen der typischen Ardennensteine durfte trotzdem die Konzentration keinen Moment nachlassen. Solo55-2012-08-18_12-24-03-0109sApropos Ardennensteine: Das sind so scharfkantige große oder kleine Gesteinsbrocken. Entweder sind sie im Weg festgebacken oder liegen lose herum. Fährt man bergrunter muß man umso konzentrierter sein, je loser die Brocken rumliegen. Es gibt eine Passage im Track, da besteht der Pfad über mehr als einen Kilometer nur aus losen Brocken. Den sind wir diesmal runtergefahren. Bei der Joe-Challenge ist es keinem gelungen, den komplett fahrend zu bewältigen. Und damit sind wir bei Thema berghoch. Die Anzahl der Höhenmeter alleine sagt in diesem Fall noch überhaupt nichts aus. Höhenmeter auf Asphalt sind dagegen die reinste Wellness. Stellt euch jeden Ardennensteine mal jeweils als kleinen Anstieg von ein paar Zentimetern vor. Dabei muß du noch hochkonzentriert nach der richtigen Linie ausschauen und dabei versuchen, nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Mit "Rythmus finden" ist da nichts mehr. Du musst dir jeden Höhenmeter einzeln erkämpfen und davon gibt es auf Solo's Ride viele. Soweit der Ausflug zu den Ardennensteinen.

Solo55-2012-08-18_10-22-52-0025sSolo55-2012-08-18_10-26-11-0090sWie ging es denn jetzt bei uns weiter. Nach einem ersten kompletten Schiebestück mit 20% und mehr Steigung  und weiteren kurzen Schiebepassagen, weil der Untergrund einfach zu locker war und wir keine Traktion hatten, erreichten wir die Straße nach Remouchamps. Kurze Zeit später veränderte sich dann die Streckenführung gegenüber der  Joe-Challenge. Wir querten die Amblève (auf Deutsch: Amel), durchfuhren das kleine Dörfchen Nonceveux und dann begann der erste lange Anstieg durch den Wald. Bemerkenswert fand ich, dass während des Anstiegs niemand ein Wort gesagt hat. Jeder genoß die Ruhe, hing seinen Gedanken nach und war konzentriert auf der Suche nach der besten Linie. Oben angekommen machten wir die erste Pause und die war auch dringend nötig, denn was jetzt folgte, war der äusserst schwierige Downhill runter zur Amblève. Zusätzlich zu den Ardennensteinen tauchten jetzt auch noch große Felsplatten auf dem Weg auf. Glücklicherweise waren die heute trocken. Alles andere als trocken war dann trotz der geringen Regenfälle in den vergangenen Tagen der untere Teil ehe wir das Ufer des Flüsschens erreichten. Joe und Christoph konnten sich erinnern, dass sie am vergangenen Samstag genau dieses Stück hochgeschoben hatten. Am Ufer der Amblève war dann pures Genießen angesagt, ehe der Weg wieder vom Flüsschen wegführte und uns an einem Bach entlang wieder mal einige Höhenmeter bescherte. Diese durften wir anschließend auf einem diesmal recht flowigen Trail runter zur Amel wieder vernichten.

Solo55-2012-08-18_10-38-55-0122sSolo55-2012-08-18_10-32-03-0081sNach der Querung und einem letzten Blick auf das Flüsschen begann dann wieder ein langer Anstieg. Diesmal lagen nicht so viele Ardennensteine rum und man konnte tatsächlich einen gewissen Rythmus aufbauen. Oben angekommen folgte eine kurze Abfahrt, ehe wir wieder einen Anstieg zu bewältigen hatten. Der Pfad war diesmal nur handtuchbreit und wieder mal von vielen Kieseln und diesmal auch Wurzeln durchsetzt. Es hieß mal wieder jeden Höhenmeter einzeln zu erkämpfen. Joe und Christoph wussten wieder mal, dass dieser Teil bergrunter vergangene Woche etwas mehr Spaß gemacht hatte. Als Entschädigung folgte dann der Streckabschnitt, der mir vor 7 Tagen die letzten Kräfte aus den Beinen gesaugt hatte, diesmal bergrunter. Aber auch hier hieß es wieder hochkonzentriert bleiben. Ich jedenfalls möchte bei diesen Geschwindigkeiten bei einem Abflug keine Bekanntschaft mit den scharfkantigen Ardennensteinen machen.

Auf halbem Downhill zweigte der Track dann von dem von voriger Woche ab und es ging wieder bergauf. Diesmal auch wieder auf verhältnismäßig gut fahrbarem Untergrund aber dafür wieder mit immer zweistelligen Steigungsprozenten. Die eroberten Höhenmeter haben wir nach einem kurzen Teilstück mit moderaten Steigungen anschließend auf dem bereits weiter oben erwähnten Pfad mit den losen Ardennensteinen vernichtet. Es endete damit, dass Joe, übrigens bei der einzigen Panne der Tour, den Schlauch flicken musste. 

Solo55-2012-08-18_12-01-11-0174sBis hierhin hatten wir ca. 1100 Höhenmeter gesammelt und ich, als jemand der überhaupt nicht gerne bergauf fährt, merkte dass meine Kräfte so langsam aufgebraucht waren und meine Konzentration erheblich nachließ. Ich beschloß, den 2. Ausstiegspunkt bei Kilometer 42 zu nehmen und dort den Track zu verlassen, um keine weiteren Risiken einzugehen. Es lag noch 1 langer Anstieg zwischen dem Ausstiegspunkt und dem jetzigen Standort. Deswegen einigten wir uns darauf, dass die anderen 3, die den ganzen Solo's Ride fahren wollten,  schon mal vorfuhren und ich in meinem Tempo den letzten Anstieg bewältige und dann am Ziel auf die anderen warte. Solo55-2012-08-18_14-58-14-0215sAm Ausstiegspunkt wartete aber schon Markus auf mich, dem aus gesundheitlichen Gründen auch die Kraft ausgegangen war. Er hatte sich auch entschlossen, nach La Reid zurückzurollen. Dort fanden wir beide ein kleines Café und machten es uns dort bei einer eiskalten Cola unter Sonnenschirmen im Schatten bequem. Eine gute Stunde später rollten dann auch Joe und Christoph dort vorbei. Wie es den beiden auf dem Rest der Strecke gegangen ist, wird Joe schildern. Bei Markus und mir hatten sich knapp 1500 Höhenmeter auf 47 Kilometer und 6 Stunden Fahrzeit summiert, bei Christoph und Joe ca. 1800 Höhenmeter auf 55 Kilometern und 7 Stunden. Übrigens: Der Rekord auf der Strecke, den Elias selbst hält, stammt aus 2009 und liegt bei 3 Stunden und 43 Minuten. Für mich nicht vorstellbar, wie fit der Bursche sein muß. 

------ Anfang O-Ton Joe------------
hier ein paar Worte zu den letzten 17 km:

Nachdem Markus sich nicht so richtig entscheiden konnte, ob er nun das Ding zu Ende fahren würde oder nicht, haben sich Christoph und ich uns dann auf die restlichen Kilometer begeben.

Solo55-2012-08-18_13-22-10-0134sVorweg: Wir wollten es euch zuerst nicht sagen, aber ich tue es nun trotzdem, das Beste kam zum Schluß. Nach unserer "Trennung" ging es erst einmal ca. 3 km über Forstautobahnen, ja so etwas gibt es in den Ardennen auch, um dann in ein Finale Furioso zu enden. Der erste geile Abschnitt ging Downhill am Flußbett vorbei ( müßte ein Zulauf zur Amblève sein ), wobei wir immer von oben auf den Lauf des Flüsschens schauen konnten, einfach genial.

Unten angekommen ( an der Friture direkt an der Hauptstr. N633 ) erste Diskussionen um den Trackverlauf, war ja klar, unser Guide war ja nicht mehr dabei. Hier haben wir uns dann gleich ein paar zusätzliche Hömes eingefangen, die weder Christoph noch ich in dem Moment haben wollten. Dann ein bisschen rauf und runter um dan doch den Trackverlauf wieder zu finden. Nun wurde es nochmals richtig steil und wir mussten ein größeres Stückchen schieben. Nach dieser letzten Energieleistung folgte nun ein Märchentrail über ca. 2 km durchsetzt von Steinen und Wurzeln, Wurzeln und nochmals Wurzeln den wir aufgrund der zunehmenden Erschöpfung aber nicht mehr in vollen Zügen genießen konnten.

Danach über Straße zurück zum Ausgangspunkt, wo schon zwei zufriedene Gesichter bei einem gekühlten Getränk im Schatten saßen. Auch wir nahmen ein kaltes Getränk um dann unsere Räder müde aber glücklich zu verstauen. Christoph und Markus mußten sich hier verabschieden, wobei Reinhard und ich dann den Tag - wie schon fast Tradition -  in Eynatten ( die müßten unsere dreckigen Visagen doch eigentlich mittlerweile kennen ) bei einer leckeren Portion Pommes und Frikandel Spezial haben ausklingen lassen..

Für mich war es dieses Jahr wahrscheinlich die letzte Tour in den Ardennen, aber vielleicht wach ich eines Morgens mal um 3:30 Uhr auf und denke heute könnte es klappen, um dann um spätestens 6:00 Uhr den Start in Theux für Solos 107 km zu versuchen

------------Ende O-Ton Joe ----------------------

Solos55RueckLasst euch von den teilweise mal wieder überwältigend schönen Bildern inspirieren. Ich denke, dann kann man gut unsere Begeisterung nachvollziehen. Welche Fotos an welcher Stelle des Tracks aufgenommen wurden, könnt ihr euch diesmal bei GPSies ansehen. Im Trackpaket (Download329.82 kB)  findet ihr den Track, den wir nachgefahren sind (also Original Solo mit modifizierter Anfahrt ab La-Reid), das gpx-File zum Rückweg,  das Höhenprofil, den Guide zum Treffpunkt in La Reid und eine Übersichtskarte. Viel Spaß!