Crossie-20100630_09-34-49keine Lebensgefahr, wie das Schild vielleicht suggeriert, aber ich stellte fest, dass nach mittlerweile 10 Jahren MTB-Jahren mein Hunger nach Bike-Erlebnissen immer noch ungestillt ist. Unglücklicherweise kenne  ich mittlerweile jeden Trail in einem Umkreis von 30 Kilometern und die meisten in 50 Kilometer Entfernung. Was also tun? Da sollte es ja noch andere Bikes wie Rennräder, Cross- oder Fitnessbikes usw. geben, mit denen man grössere Entfernungen durch eine höhere Geschwindigkeit zurücklegen konnte. War das denn die Lösung?  Die Jungs hatten mich immer schon ein bißchen geneckt, dass mir für das Alter ja immer noch das Rennrad blieb. War es denn jetzt wirklich so weit? Bisher hatte ich das Thema Rennrad immer mit dem Argument abgelehnt, dass ich keine Lust hatte, "mir mit den Autos die Straße zu teilen".  Bisher hatte ich noch nie auf einem Rennrad gesessen, geschweige denn, eines gefahren. Aber probieren geht schließlich über studieren. Georg, mein befreundeter Fahrradhändler von Radshop-Herfs, mit dem ich das Thema auch besprach, bot mir für 2 Wochenenden ein Rennrad zum Probefahren an.

 

Mit Manuel verabredet und mit ihm am Samstag und am Sonntag eine 70-Kilometer-Runde gedreht. Und es machte tatsächlich Spaß und war eigentlich bequemer, als ich es mir vorgestellt hatte, zumal Georg mich darauf hinwies, dass die meisten Fahrer normalerweise die Oberlenker- oder Bremsgriffposition und nur die geringste Zeit in Unterlenker-Position fahren. Das einzige, was mich störte, war, dass ich auf die vielen mir bekannten Schotter- und Waldwege verzichten und mich auf Asphaltwege beschränken musste. Aber der Virus steckte in mir. Gab es eine Lösung? Thomas K. hatte sich doch vor kurzem einen neuen Cyclecrosser gekauft. War das die Lösung für mich? Mal kurz gecheckt. Der User "pooky" hat das im Forum von sportlerfrage.net sehr gut erklärt:

Ein "Cyclo-Cross Bike" ist ein normales Cross- bzw. Querfeldein-Rad und vielmehr eine Variante des Rennrades und nicht eines Mountainbikes. Der Begriff "Cyclo" definiert lediglich, dass es hier um Radsport handelt, nicht um den Laufsport (Cross-Lauf). Im Vergleich zum Rennrad haben Cross-Räder eine leicht veränderte Geometrie, etwa ein höher sitzendes Tretlagergehäuse für größere Bodenfreiheit und weiter auseinander Sitzstreben und Gabelscheiden, um breitere Reifen (und Cantilever-Bremsen) aufzunehmen. Es ist grundsätzlich schneller und leichter als ein Mountainbike, aber nur auf dafür vorgesehenen Strecken.Denn trotz "Geländeanpassung" findet ein Cross- oder Querfeldein-Rad seine Grenzen zum Beispiel an ganz steilen Abschnitten. Dann müssen die Crossfahrer absteigen und ihr Rad schultern, was man beim Cross-Rennen auch oft sieht. Auf ebener Strecke kann das Cross-Rad seine Vorteile aber ausspiele, zumal es dank größerer 28-Zoll-Räder auch eine größere Entfaltung (Fahrstrecke pro Kurbelumdrehung) bietet.

Grundsätzlich ist es so, dass ein Cross-Rad mehr auf Geschwindigkeit ausgelegt ist, schon allein wegen der größeren, 28 Zoll großen Laufräder, ein Mountainbike dagegen mehr auf Geländegängigkeit, es aber eine große Schnittmenge zwischen beiden Radtypen gibt.

Mensch, das war es doch! Damit hätte ich doch sowohl einen Cyclocrosser und mit einem zweiten Laufradsatz, auf dem dünne und glatte Rennreifen aufgezogen sind, ein Rennrad. Aber welches war das richtige für mich? Beim Recherchieren stellte ich schnell fest, dass die Auswahl gar nicht so groß war, zumindest in der Preisklasse um 1.000 Euro, die ich suchte. Eines wusste ich, es durfte nicht über 10kg liegen. Ein Vergleich zeigte schnell, dass das leichteste der Bikes in dieser Preisklasse knapp 9kg wog (ich habe aber nur genau eines gefunden), die meisten aber zwischen 9 und 10kg lagen. Mein Entschluß stand fest! Ich wollte so ein Ding! Georg wieder angerufen. "Du hast Glück, ich habe so einen im Laden und möchte ihn gerne loswerden." (Sollte heißen, ich mache dir einen guten Preis ;-) ). Und der war wirklich so gut, dass auch die Versender nicht mithalten konnten und in diesem Fall wäre mir die Hilfe des  Fachhändler sogar etwas mehr wert gewesen. Georg riet mir, den Crosser eine Nummer kleiner zu wählen. Kurz noch mal probegefahren, eine Nacht Bedenkzeit ausgebeten und zugesagt. Am Montagabend konnte ich das Bike dann abholen. Gestern habe ich die erste Runde über ca. 55 Kilometer gedreht. Dabei beschränkte ich mich aber auf Asphaltwege. Das machte Spaß, alles passte, sogar der Sattel zu meinem Hintern. Klasse! Vollkommen entpannt kam ich nach 2,5 Stunden zurück. Heute stand dann der ultimative Test für das Crossbike an. Ich hatte mir vorgenommen, den Fernwanderweg X1 von Dremmen nach Aachen zu fahren. Und wie das bei Wanderwegen so üblich ist, enthalten die zwar auch geteerte Wege, führen aber zu einem Großteil auch über Schotter- und Waldwege. Und sogar der ein oder andere Trail ist mal dabei. Also, wie gesagt, der wirklich ultimative Test, ob meine Wahl richtig war. 

Den Bericht habe ich diesmal "Stuntzi-like", also Bild + Kommentar verfasst. Er ist derzeit in den USA unterwegs. Wer seine täglichen Berichte noch nicht kennt, findet sie hier.

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Plus Nr. 1: mit einem Rennlenker geht es leichter bei Gegenwind (siehe Windrad)
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pass auf Crossie, gleich geht es los mit dem Gerüttel.
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Und da sind wir auch schon mittendrin. Du reitest dich aber gut!
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Und am Ende wartet die Schildkröte. So langsam waren wir ja gar nicht, sondern ganz schön schnell trotz nicht vorhandener Federung
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Und jetzt die 1. Schotterstrecke. Rollt sehr gut und schnell
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Ein weiterer Test auf Waldwegen. Rollt genauso gut (und vor allem sauschnell)
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Downhill (der wesentlich steiler wie auf dem Bild ist). Jetzt muß ich aber die Zusatzhebel ziehen und die so stark wie ein Pferd. Trotzdem komme ich relativ entspannt unten an.
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Jetzt aber Crossie. Uphill mit 15% Steigung hoch zur Burg Wilhelmstein und das noch auf ziemlich weichem Waldboden. Die Belastung mit dem kleineren Ritzelpaket hinten ist ungewohnt. Oben brennen meine Beine, aber ich habs, wenn auch auf der letzten Rille, geschafft. (Sorry, dass das Bild verwackelt ist)
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der Lohn für die Mühe, Burg Wilhelmstein
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Und da musste ich von Crossie runter. Loser und tiefer Schotter + schmale Reifen + Crosser = noGo
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im Wurmtal! Inzwischen rollt es auf den Waldwegen sehr gut (hat es aber eigentlich von Anfang an getan).
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am Ziel angekommen. Blick auf Aachen
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zurück habe ich mich vom Garmin routen lassen. Dabei waren so nette Streckenabschnitte wie dieser dabei.
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aber nicht nur nette Streckenabschnitte, sondern ...
Am Ende standen ca. 90 Kilometer bei ca. 600 Höhenmetern auf dem Tacho. Ich habe definitiv die richtige Wahl getroffen. Das heisst aber jetzt nicht, dass ich die MTBs in der Ecke vergammeln lasse. Ich bin und bleibe Mountainbiker. Der Crosser erweitert die Möglichkeiten aber beträchtlich.
Den Track hänge ich mal an, obwohl die Trackführung um und durch Aachen mich nicht begeistert hat. Zum Download.