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hier gehts lang

Am Tag der Deutschen Einheit flüchtete eine kleine Gruppe von Bikern des Landes. Zu den 6 MTBlern gehörte die bewährte Truppe der LCMTler (Tubeless Bernd, der seinem Namen wieder alle Ehre machte, aber dazu später mehr, sein Bruder Thomas, der den ganzen Sommer über heimlich trainiert hatte, Thomas K. und ich). Dazu gesellten sich Manfred, der das Rennradfahren nach einer langen Saison satt war und Sebastian, der sich nicht so sicher war, ob er die Distanz mit seinem 16-Kilo-Downhill-Boliden überhaupt schaffen würde und notfalls sich abholen oder sogar tot stellen wollte. Also insgesamt eine eher überschaubarere Zahl als vergangenen Sonntag bei der Heimatkunde4-Tour.  Sicherlich hat die geplante Streckenlänge von ca. 120 Kilometern und die voraussichtlichen Höhenmeter von ca. 1500 einige von einer Teilnahme abgeschreckt. Ich denke, Gudyo hat die Bedenken der meisten im Forum in der ihm eigenen amüsanten Art ganz gut umschrieben: @Reigi und Mitfahrern wünsch ich viel Spass beim 3. MMM 08 am Freitag und bin schon gespannt auf den Bericht. Ich bin überzeugt das ihr euren Spass habt egal was kommt, aber es soll auch Leute geben die gern zum Zahnarzt gehen. Von anderen weiß ich, dass sie gerne mitgefahren wären, aber bei geplanten Saisonabschlüssen im Einsatz waren.

 

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Downhill von der Snowworld-Halde

Die vergangenen Tage hatten wir schon kritisch die Wettervorhersagen beobachtet. Anfang der Woche stabilisierten sich dann die Vorhersagen und wir konnten sehen, dass das Wunschziel unserer 3 Möglichkeiten Wirklichkeit werden würde, nämlich die Gulpen-Runde Richtung Südwest. Wenn der Wind aus anderer Richtung gekommen wäre, hätten als Alternativen der Meroder Wald und der Niederrhein-Marathon zur Verfügung gestanden. Zudem kristallisierte sich heraus, dass es diesmal wohl auch keinen Schneefall wie bei der diesjährigen 1. MMM (heisst übrigens MTB-Heinsberg-Mega-Miler) geben würde. Nur das ein oder andere Tröpfchen und Temperaturen zwischen 6 und 10 Grad waren vorhergesagt. Aber das war uns als richtige Mountainbiker ja eigentlich egal.

Und für die, die nicht wissen, wo Gulpen liegt. Gulpen liegt im Limburgischen Hügelland zwischen Landgraaf/Kerkrade und Maastricht. Dort startet die bei mtbroutes.nl stets top-geratete ca. 25 Kilometer lange ausgeschilderte Gulpen-Runde. Den Hin- und Rückweg wollten wir mit Highlights wie den Trails der Brunssumer Heide, dem Downhill von der Skihalle und weiteren bisher wenig befahrenen schmalen Wegen garnieren.  

 

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im Imstenrader Bos

Zum Einrollen ging's die Wurm entlang bis kurz vor Herzogenrath. Dort querten wir dann die Wurm um in Eygelshoven niederländischen Boden zu erreichen. Am Rand des Craneweyers bei Burg Ehrenstein warteten dann die ersten Trails auf uns. Kurze Zeit später erreichten wir dann den ausgeschilderten Strijthagen-Trail Richtung Skihalle Snowworld. Sebastian war wenig begeistert, sein Bike bis zur Spitze hochzuwuchten, wurde aber vom anschließenden Kniffel-Downhill mehr als belohnt. Im Imstenrader Bos hatte ich bei einer vorherigen Erkundungsfahrt viele neue Trails entdeckt. Die Jungs waren ganz begeistert.

Nach Querung der Autobahn gab es dann das gleiche Aha-Erlebnis wie beim 2. MMM 2008 . Wo wir vorher noch durch dicht besiedeltes Gebiet gefahren waren, tat sich nun vor uns eine eher dünn besiedelte Hügellandschaft auf. Auch dort hatte ich einige neue Trails entdeckt. Am Ende des Eyser Bosschen flogen wir dann einen genial schmalen Wiesen-Downhill bis kurz vor Gulpen runter. 

 

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Stärkung in Gulpen

Nachdem wir uns in Gulpen mit einem dicken Stück Reisfla und Kakao oder Kaffee gestärkt hatten, starteten wir die eigentliche Gulpen-Runde am Schwimmbad Mosaqua mit einem Mörder-Uphill. Schnurstracks nach oben mit einer Steigung über 20%. Mit pfeifenden Lungen kamen Sebastian und ich als Letzte oben an. Daran schließen sich dann viele Up- und Downhills an. Teils auf Singletrails, teils auf Wegen mit dicken Steinen.

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Mörder-Uphill

Der Hammer ist sicherlich ein Downhill, der nur aus dicken Felsbrocken besteht. Unter anderem deswegen hatte ich mich für mein All-Mountain und nicht für mein Leicht-Fully entschieden. Sebastian und ich hatten Spaß ohne Ende, während die Hardtail-Fraktion doch so ihre Probleme hatte. Auf der Gulpen-Runde gab es einige Stellen, die mich an unseren diesjährigen Vinschgau-Urlaub erinnerten. Insbesondere die vielen Apfelplantagen liessen mich immer wieder Vergleiche ziehen. Schließlich flogen wir einen tollen Hohlweg-Downhill nach Wijlre runter, wo die Gulpen-Runde dann endete.

Für den Rückweg hatte ich noch einige weitere Highlights ausgekundschaftet. Zuerst mal wieder über schmale Asphaltwege hoch. Oben bogen wir dann unvermittelt links ab, mussten unsere Räder über ein altes rostiges Drehkreuz heben und standen dann vor einem leicht abfallenden, sehr zerklüftetem Singeltrail. An einem ausgetrockneten Bachbett vorbei war das Abrutschen oft nur mit Mühe zu vermeiden. Leider endete dies schöne Stück schließlich und wieder war Klettern angesagt.

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Grobschotter Downhill

Nach einer schnellen Abfahrt auf Asphalt, kurz vor der Stelle, wo jemand für unsere beiden Thomas-se "Thomas Go!" auf die Straße gepinselt hatte, wartete dann ein kurzer (so wie es aussah) knackiger Uphill auf uns. Der setzte sich dann nach einem kleinen von unten nicht erkennbaren Knick wurzelig und sehr steil fort und zwang uns alle von den Bikes. Ab Comont ging es dann tendenziell bergab. Hinter Ubachsberg querten wir die Autobahn, mussten noch ein paar mal klettern, konnten dafür natürlich auch die eine oder andere kurze Abfahrt genießen und landeten schließlich wieder auf dem Strijthagen-Track. Dort hatten Sebastian und ich mal wieder ganz besonders Spaß beim einem 3-Meter-Drop.

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3-Meter-Drop

Die anderen trauten sich nicht und schoben lieber runter. Weitere Trails folgten bis wir schließlich wieder mit leuchtenden Augen und  mittlerweile doch etwas schweren Beinen bei Kilometer 90 an der Sandgrube in der Brunssumer Heide landeten. Ich hatte denen, die die Brunssumer Heide noch nicht kannten versprochen, dass ab hier das "Ausrollen" beginnen würde. Am Golfplatz vorbei, wo nach den Regenfällen der letzten Tage die Pfützen wieder wegbreit waren, erreichten wir die Teverener Heide. Dort konnten wir dann natürlich (wie soll es anders sein) nicht die schönen Trails auslassen. Während ich mein Bike so hin und her über die schmalen Pfade tanzen ließ, hörte ich Sebastian hinter mir schon so etwas wie "... ich meinte, etwas von ausrollen gehört zu haben..." mosern, bis er sich schließlich am Eingang der Teverener Heide weigerte, auch nur noch einen einzigen Trail zu fahren. Ich konnte ihn insofern beruhigen, dass ab hier wirklich so gut wie keine Singletrails mehr kommen würden. Und so entschloß er sich, mit uns den Rest des Weges weiterzufahren und sich nicht tot zu stellen.

 

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Weitsicht mit Bikern

Nach insgesamt 9 Stunden, 116 Kilometern und ca. 1.600 HöMes erreichten wir dann schließlich müde und abgekämpft wieder Dremmen. Nach dem obligatorischen Heldenfoto verabschiedeten wir uns sofort voneinander, weil jeder nur noch seine Grundbedürfnisse Duschen und Essen umgehend stillen wollte. Insgesamt blieben wir von jeglichen Stürzen verschont.

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Teverener Heide

Die einzigen (Reifen-)Pannen hatten (mal wieder) Tubeless-Bernd, der mittlerweile fast daran verzweifelt und Sebastian. Die Truppe passte sowohl menschlich als auch vom Leistungsvermögen mal wieder perfekt zusammen. Die Regenfälle konnten wir weiträumig umfahren und sind kaum naß geworden. Also (schon) wieder mal ein zwar anstrengender aber sehr schöner Bike-Tag. 

Zum Schluß noch ein paar Anmerkungen:
1. Man glaubt gar nicht, wie schnell 9 Stunden auf dem Bike vergehen können.
2. Besonders schön ist es, wenn die Schmerzen in Oberschenkeln und Waden nachlassen, wenn man auf der Couch liegt.
3. Leider kehrt man sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn man die Treppe runter muß, um sich im Keller das wohlverdiente Feierabend-Bier zu holen.
4. Am nächsten Tag kann man aber (zumindest) wieder ohne große Schmerzen laufen.
5. Von meinen LCMT-Jungs wusste ich ja, dass sie solche Distanzen schaffen. Deshalb mein besonderer Respekt für Manfred, der so etwas zum ersten Mal gemacht hat und für Sebastian, der trotz seines 16kg-Bike die Strecke geschafft hat.
6. Wenn ich mir die Bilder so im Nachhinein ansehe, könnte ich direkt schon wieder los

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die Helden

Um euch mal zu verdeutlichen, wie es rauf und runter ging, veröffentliche ich diesmal nochmal das Höhenprofil:

 

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Und alle Mutigen können sich hier den Track zum Nachfahren runterladen .