Thomas hatte mich gebeten, seine Langeweile während meines Bike-Urlaubs im Vinschgau mit einer Tagestour (man könnte es auch Ultratrail-Marathon nennen) zu bekämpfen. So hatte ich einen Riesen-GPS-Track aus hauptsächlich diesen 3 Einzeltracks zusammengestellt: Singletrails satt , Alles Landwehr oder was und Niederrhein-Marathon (beide so nicht mehr fahrbar, deswegen deaktiviert). Insgesamt ergab das die stolze Kilometerzahl von 192 (einhundertzweiundneunzig)! Der Singletrail-Anteil dürfte zwischen 70 und 80% gelegen haben. Manche werden ihn für verrückt halten, ich ziehe meinen Hut vor ihm, denn er hat es geschafft, sogar die 200er Marke zu knacken. Lest seinen Bericht (Zeit zum Fotografieren blieb ihm natürlich nicht mehr, aber die Fotos findet ihr unter obigen Links).

 

Ich fühle mich immer noch, als wenn mich eine Dampfwalze überfahren hätte.  Als ich gestern Abend wieder zu Hause war, habe ich noch schnell geduscht und mich dann erstmal eine Stunde ins Bett gelegt und bin sofort eingeschlafen.  Danach habe ich dann noch etwas gegessen.  Jede Bewegung war mit Schmerzen verbunden.  Die Beine sowieso, der Rücken, der Nacken, die Oberarme und die Handgelenke.  Nach der Tour habe ich auch alles wie durch einen Schleier wahr genommen.  Nicht nur der Körper sondern auch der Geist war betäubt.  Ich weiß nicht ob das nur an der Streckenlänge lag, sondern auch an dem fehlenden Training, schließlich bin ich vorher über 2 Wochen nicht mehr gefahren.

Jetzt aber zur Tour selber.  Erstmal ein DICKES Lob an den Tourplaner ;-)  Hast Du wiedermal seeeeeehr schön geplant (bis auf einer Stelle wo ich Dich fast verflucht hätte ;-)  Ich wollte um 7 Hundert losfahren.  Ist dann ein paar Minuten später geworden, weil ich noch vorher hinten die Bremsbeläge gewechselt habe und den Druck in der frisch gewarteten Fox-Federgabel (€ 130) anpassen musste.  Das Wetter war morgens ein Traum.  Keine Wolke am Himmel, nicht zu warm und nicht zu kalt.  Ich hatte mein neues Trickot aus Italien an :-)  Erstmal lockeres Einrollen durch die flachen Schwalmauen.  Um diese Tageszeit sind furchtbar viele Leute mit ihren Hunden unterwegs.  Kurz vorm Venekotensee dann auch die erste (und letzte) Notbremsung, um einen der Hunde nicht zu überfahren.  
Dann war auch schnell der Hahnenkamm (Achterbahn) erreicht und nach 2 Wochen Abstinenz hat der Trail richtig Laune gemacht.  Puls? EGAL -> Fehler!  Über Asenray dann in die Melicker Heide und natürlich konnte ich nicht widerstehen.  Nicht wie von Dir geplant einfach durch sondern jeden verdammten Trail mitgenommen.  Hier haben die Waldarbeiter übrigens wieder ganze Arbeit geleistet und einen der schönsten Trails zerstört :-(  Dann zum Vennhof und Du kannst es Dir wahrscheinlich schon denken, wieder die hübschen Trails mitgenommen.  Von dort aus dann mit nur kleinen Schlenkern zum Rothenbach.  Ich hatte mir doch so vorgenommen die Sache ruhig angehen zu lassen, war nix.  Und danach ging es dann auch direkt mit den Trails Deiner "Trails satt" Runde weiter.  Auf der Höhe von Birgelen konnte ich wieder nicht widerstehen und habe einen kleinen Abstecher in die Richtung gemacht :-)  Weiter über Wassenberg (da hast Du auch ein Highlight ausgelassen, das ich dann eingepflegt habe ;-) bis zur Rathheimer Halde.  Zum Glück ist die Halde gesperrt, sonst wäre ich mit meiner zu dem Zeitpunkt noch vorhandenen Motivation da auch noch hochgekurbelt.  Und schwupp die wupp waren die ersten 80km abgespult.  Der mittlere Puls stand so bei 152bpm.
Jetzt kam der optimal getimte und nach den ganzen Trails sehr angenehme Rollabschnitt bis zu den Landwehren.  Der Rückenwind war zu diesem Zeitpunkt absolut optimal (hast Du das auch geplant?).  Es stellte sich aber langsam Hunger ein. Um um etwa 13:00 Uhr war der Hunger so groß, dass ich die Route verlassen musste und einen kleinen Abstecher nach Wickrath machte.  Bei einem Bäcker 2 Brötchen und ein Teilchen plus einen Liter Apfelschorle nachgetankt.  Der km Zähler stand jetzt auf 95 und nach dem Wiederanfahren mit vollem Bauch und inzwischen doch schweren Beinen, kamen die ersten Bedenken auf, ob das heute zu packen wäre.  Das Wetter war nach wie vor super, vielleicht einen Hauch zu warm.
Bis ich die ersten Landwehre erreicht hatte, waren die Kohlenhydrate aber anscheinend im Blutkreislauf angekommen.  Diese "grünen Tunnel" sind schon sehr motivierend ;-)  Am Ende des letzten Tunnel am Krankenhaus in MG kam dann die Passage wo ich erhebliche! Schwierigkeiten hatte, Deiner Planung zu folgen.  Die Route ging nach der Planung einfach geradeaus links am Krankenhausgelände, rechts der Autobahn vorbei.  Unten angekommen zweigten diverse Wege ab aber keiner in die geplante Richtung.  Nachdem ich ALLE Varianten (eine davon mit einem netten kleinen Anstieg, den ich zweimal gefahren bin) ausprobiert hatte, ging es über ein Feld zurück zur Landstrasse.  Speziell diese Feldpassage hat richtig Körner gekostet.  Am Ausgang des letzten Landwehrs wieder angekommen bin ich dann über die Autobahn rüber und dahinter wieder in Richtung Deiner geplanten Route.
Die Strecke bis zum hohen Busch war dann eher langweilig, hatte aber Höhenmeter und Gegenwind :-(  Der hohe Busch hatte dann zwar keinen Gegenwind, dafür aber jede Menge Höhenmeter ;-)  Und siehe da, nach etwa 130km in den Beinen kann man die Anstiege auch im kleinen Gang mit moderatem Puls fahren (Mit der Strategie von Anfang an wäre ich sicherlich schmerzfreier weg gekommen).  Ab den Süchtelner Höhen hat mein Körper (nicht mein Geist, der hatte sowieso nix mehr zu melden) dann eine weitere Strategie geändert.  Es ging nicht mehr wie z.B. am Vennhof oder bei Birgelen darum nette Trails abseits der geplanten Route einzustreuen, sondern darum etwas einfach wegzulassen.  Diese neue Strategie hat mein Körper dann auch in Hinsbeck umgesetzt.  Ich bin zwar noch am Aussichtsturm hoch, aber eben nur einmal.  Der größte Block den ich dann weggelassen habe war das lustige Auf und Ab in Richtung Herongen.  Im nachhinein eine sehr gute Entscheidung, sonst wäre ich nicht mehr nach Hause gekommen.  Die Anstiege dort sind nämlich zahlreich und knackig.  Statt dessen bin ich vom Cafe Waldesruh über den Krickenbecker See und Tor 9 zur Venloer Heide.
In Venlo habe ich noch einmal die Wasservorräte aufgefrischt.  Es lagen noch knapp 30 km vor mir und mir wurde langsam klar, dass ich am Ende hinter dem WS noch eine Extraschlaufe  fahren durfte um die 200 voll zu kriegen.  Es fehlte halt die Herongenpassage.  Auch über Tegelen und Schlucht habe ich hier und da mal einen Anstieg umfahren ;-)  Das linke Knie machte mir langsam auch Kummer.  So ab km 175 stellten sich ohnehin insgesamt körperliche Beschwerden ein.  Hätte mir jemand ein Bett in den Wald gestellt, ich hätte dort übernachtet.  So um 18:15 war ich dann am WS und es fehlten mir noch rund 20km.  Die Versuchung war groß locker durchs Depot die Heimat anzufahren.  Sind aber nur 7km.  Es fehlten also noch 13 km auf die 200.  Es half nix, Zähne zusammen beißen und ab in den Diergardschen Wald.  Den Bosberg habe ich mir aber erspart.  Statt dessen am hinteren Eingang ins Depot und am Ausgang an der Landstraße Brüggen-Swalmen wieder raus.  Dann noch ein paar km an der Landstraße in Richtung Swalmen.  Der Körper hat zwar rebelliert entgegen der Richtung Heimat zu fahren aber der Geist hat ein letztes mal aufgeflackert ;-)  Ab dem Umkehrpunkt dann endlich die letzten 10km in Richtung Heimat ohne Anstiege und Trails :-)  Apropos aufflackern.  Der Garmin hat dann auch so etwa 10km vor dem Ziel zum letzten mal aufgeflackert.  Nach etwa 10:30 hat er aufgegeben und abgeschaltet und ich konnte den faulen Hund nach Hause fahren ;-)
Nach ziemlich genau 12 Stunden war ich Gott sei dank wieder zu Hause.  Laut Tacho waren es 200,02 km in 10:44 (der Tacho kann nur max. 10 Stunden anzeigen und läuft dann wieder bei Null an).  Ich bin nur froh, dass ich heute noch einen Tag frei habe, damit sich mein Körper wieder einigermaßen erholen kann.  Außerdem regnet es bei uns.  Ich hätte heute aber auch keine Lust nur einen km Singletrail zu fahren ;-)  Nächstes Jahr fahren wir so eine Runde dann mal zusammen.  Euch noch weiterhin gutes Wetter und viel Spass im Vinschgau.
 

 

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