LaengsteDownhill10.06.2007_11-56-22Als 5. MMM (MTB-Heinsberg-Mega-Miler)sind wir heute den längsten Downhill von Belgien gefahren. Stellt euch darunter aber nicht ein kurzes kniffliges Wegstück mit Wurzeln und Absätzen vor, sondern man fährt von Theux, das auf ca. 200 Metern über N.N. liegt hoch zum Signal de Botrange, dem höchsten Punkt von Belgien auf ca. 700 Metern über N.N. und dann wieder auf anderer Strecke zurück. Die Höhenmeter verteilen sich dann auf ca. 30 Kilometer rauf und 30 Kilometer runter. Warum es sich trotzdem gelohnt hat, hat Thomas in seinem Bericht sehr ausführlich und treffend geschrieben.

 

5. MMT Der längste Downhill Belgiens oder warum man rauf schneller ist als runter

LaengsteDownhill10.06.2007_09-50-25Ursprünglich war die Tour ja für Samstag geplant, aber wegen der Gewitter in Belgien haben wir uns kurzfristig entschlossen, um einen Tag zu verschieben. Das Verschieben ging ja auch ohne große Abstimmung, weil von Euch Weicheiern sonst keiner mit wollte. Diese Entscheidung solltet Ihr bereuen und den nächsten Termin für den „längsten Downhill Belgiens“ fett in Euren Kalendern markieren. Die Entscheidung zu verschieben, hat sich speziell bei der „Abfahrt“ als sehr, sehr weise heraus gestellt. Gruß an Stefan an dieser Stelle: „Sei froh, dass Du als alter Rennradfahrer nicht dabei warst!“

Es fing früh morgens wie geschmiert an. Reinhard und ich hatten uns zwar am Parkplatz Lichtenbusch verabredet, aber schon auf der Autobahn getroffen. So konnten wir ohne Stopp direkt zu unserem Startort in Theux durchrollen. Das Wetter in Theux war nebelig aber trocken. Zu diesem Zeitpunkt haben wir noch geflachst, dass wir bis Mittag wieder zurück sind und dass uns 60 km nix mehr anhaben können – FEHLER!

Großartig Zeit die Beine warm zu fahren hatten wir nicht. Die Strecke fing direkt mit einer netten Steigung von 10% auf einer Forstautobahn durch den Wald an. Nach einer viertel Stunde waren die ersten 200 Hm abgespult und wir waren guter Dinge unseren Zeitplan einzuhalten. Der weitere „Uphill“ ging über lange Strecken über Landstraßen, immer mit einer mehr oder weniger leichten Steigung. Uns wurde schon langweilig. An dieser Stelle ein dickes Lob an die Jungs von Garmin und den Planer des Tracks. Die beiden GPS-Geräte machten das Navigieren (fast immer) zum Kinderspiel. Ein Blick in die Karte war nur sehr selten notwendig.

LaengsteDownhill10.06.2007_10-10-10Die zweite Hälfte des Uphill ging dann wieder über Forstautobahnen durch Waldgebiet. Die Forstautobahn ermöglichte aber über weite Strecken, dass man die herrliche Landschaft genießen konnte. Das Wetter war inzwischen besser geworden und die Sonne kam zeitweise raus. So spulten wir schön gleichmäßig pedalierend die restlichen ca. 400 Hm bis zum Scheitelpunkt der Strecke ab. An einer Stelle bekamen wir allerdings einen ganz kleinen Einblick, wie der Downhill aussehen sollte. An einer Steigung war die Strecke von den heftigen Regenfällen am Vortag matschig und glatt wie Schmierseife. Außerdem kreuzten wir diesen „netten“ „kleinen“ Bach La Hoegne, der durch die Regenfälle am Vortag auch etwas gewachsen war. Zu diesem „Bach“ später mehr. LaengsteDownhill10.06.2007_10-43-21Am höchsten Punkt, dem Signal de Botrange auf 694 m haben wir in der Mittagssonne kurz Rast gemacht und unsere Kohlenhydratspeicher aufgeladen. Da war es so etwa 10:30 Uhr und wir waren sicher spätestens – also aller spätestens – um 13:00 Uhr wieder in Theaux zu sein.

So starteten wir guter Dinge den Downhill, der am Anfang deckungsgleich mit dem Uphill war. Also wieder durch die schöne Landschaft in der Sonne diesmal ohne jeglichen Kraftaufwand runter rollen lassen. Das einzige was uns zu diesem Zeitpunkt ein wenig gefehlt hat ist das Entertainment von unserem Markus.

Dann kamen wir an einen Abzweig von der Forstautobahn, der uns durch eine zeckenverseuchte, Moorwiese führte. Am Ende der Moorwiese standen wir dann wieder vor unserem Bach aber weit und breit keine Brücke in Sicht. LaengsteDownhill10.06.2007_11-26-19Beide Garmins und auch die Karte deuteten aber darauf hin, dass wir hier rüber mussten. Durchfahren war unmöglich, also Schuhe aus, Socken aus und hinein ins kühle Nass. Auf der anderen Seite ging es dann wieder normal weiter. Der Weg wurde aber immer matschiger und war teilweise auch mit Steinen verblockt. Das ist ein Phänomen in Belgien, dass trotz Sonnenschein Wege völlig nass sein können, aber der Weg war gut fahrbar. LaengsteDownhill10.06.2007_11-39-47Bis wir an einer Brücke (wieder über unseren Bach) mit einem reich verzierten Geländer ankamen. Hier halfen aber weder Garmins noch Karte weiter. Fakt ist jedenfalls, dass wir an dieser Stelle einen großen Fehler gemacht haben und vom rechten Weg abkamen.

 

 

LaengsteDownhill10.06.2007_11-46-23Am Anfang war der Weg anspruchsvoll aber fahrbar, lag aber ständig etwa 50m vom Track auf den Garmins. Das haben wir auf eine ungenaue Planung des Tracks geschoben. Und dann kam sie, unsere Schiebe- und Tragepassage. Über 45 Minuten wurden Reinhard und ich zu Wanderern mit „sperrigem Gepäck“. Hier hätten wir gut Markus aufmunternde Kommentare brauchen können. Es ging parallel zum inzwischen reißenden La Hoegne über Holztreppen, Stege, Wurzeln und Steine. LaengsteDownhill10.06.2007_11-56-22Einige Passagen wären eventuell fahrbar gewesen aber der Untergrund war überall klatschnass und extrem rutschig. Uns kamen echte Wanderer entgegen, die nur den Kopf schüttelten. Am Ende ging es dann einigermaßen und die fahrbaren Passagen haben viel Spaß gemacht und das Auge für die Ideallinie geschult. Auf dem Weg lagen zwar immer noch Wurzeln, Steine und Holzstege, aber die Strecke war wieder trocken und nicht so extrem verblockt. Uns war aber inzwischen klar geworden, dass wir nicht auf dem geplanten Track unterwegs waren Hogne

 

Anmerkung Admin: beim Klick auf das kleine Kartenbild könnt ihr euch ansehen, wo wir vom rechten Weg abgekommen sind. Der geplante Track ist in beige, der tatsächlich gefahrene in blau eingezeichnet. Die Lage der weiter oben erwähnte "reich verzierten Brücke" ist ebenfalls in der Karte ersichtlich.

 

An einer Stelle sahen wir eine Möglichkeit auf den Hauptweg zurück zu kehren. Aber es war wieder Tragen über einen superschmalen, steilen Pfad angesagt. Und als wir oben ankamen, wurde uns noch einmal offiziell klar, dass dies der falsche Weg war. Am Einstieg in diesen schmalen LaengsteDownhill10.06.2007_12-37-18Pfad war ein Schild „Mountainbikes verboten“. Jetzt verstanden wir das Kopfschütteln der Wanderer. Stellt sich nur die Frage, warum war so ein hilfreiches Schild nicht an unserem Einstieg in die Strecke. Jedenfalls waren wir ziemlich K.O. und glücklich mal wieder ein Stückchen abwärts rollen zu können.

Der weitere Weg war weiterhin matschig und leicht verblockt, also genau was MTBler lieben. Es ging immer wieder hin und her über den Bach. An einigen Stellen musste man aber die Brücken bzw. Holzstege über den Bach suchen. An normalen Tagen scheint man teilweise auch durch den Bach fahren zu können. Aber es sollten noch zwei Highlights auf uns warten.

Am Ende einer Forstautobahn dirigierten uns die Navis wieder in eine zweite zeckenverseuchte Wiese, wo zunächst kein Trail erkennbar war. Das Gefälle war gemächlich und wir rollten genüsslich abwärts. Schließlich war auch eine Art Trail auszumachen und es ging in den Wald. LaengsteDownhill10.06.2007_13-01-28Das Gefälle wurde immer steiler. Leider verpasste ich den optimalen Zeitpunkt abzusteigen und musste dann die Zähne zusammen beißen und den Rest der Passage runter fahren bzw. rutschen. Unten kreuzte der Hauptweg, den ich glücklicherweise ohne über den Lenker abzusteigen erreichte. Mir war aber klar, dass sich diese Abfahrt an der Grenze meiner fahrerischen Möglichkeiten befand. Reinhard und ich waren uns absolut einig: „Mehr kann nicht kommen.“

 

 

LaengsteDownhill10.06.2007_13-04-06Keine 500m weiter bogen wir vom Hauptweg in einen hübschen, ansteigenden Hohlweg ab. Ich muss mich korrigieren; das war ein Hohlbach! Über die volle Breite kam uns ein etwa knöcheltiefer Bach entgegen. Der Weg selber bestand ausschließlich aus dickeren Steinen. Die Kombination Steigung, lockere Steine und entgegenkommende Wassermassen forderten extrem Aufmerksamkeit.LaengsteDownhill10.06.2007_13-04-28

Nach dem Hohlweg ging es dann über die typischen, belgischen Matschwege zurück Richtung Theux. Die letzte Passage (als wenn der Planer der Strecke etwas gut machen wollte) dann über Landstraße. Nach gut 5 Stunden (reine Fahrzeit 4 Stunden) kamen wir völlig verdreckt an unseren Autos an. Es ist kaum zu glauben, aber bedingt durch die Tragepassage am La Hogne haben wir runter länger gebraucht als rauf.

Zum krönenden Abschluss haben wir uns in einem Straßencafe im sehr schönen Altstadtkern von Theux mit Reistorte und Kaffee bzw. Kakao verwöhnt.

Resumee:

- Unterschätze niemals MTB-Strecken in Belgien

- Abfahrten sind nicht immer leichter (schneller) als Anstiege

- Vertraue nicht zu sehr dem GPS

- Reistorte aus Belgien ist die Beste

- Nächstes Jahr fahren sicher mehr Leute mit

- Die MMMs steigern sich weiter

Das GPS-File könnt ihr hier runterladen .