Durch meine vielen Bike-Jahre habe ich mittlerweile eine Menge Erfahrungen mit den verschiedenen Möglichkeiten zum Navigieren sammeln können. Angefangen habe ich, wie wohl die meisten hier, mit den Garmin-Geräten. Seit ein paar Jahren bin ich auf das Smartphone umgestiegen, weil es FÜR MICH gegenüber den Garmin-Geräten eine Menge an Vorteilen hat. Ich möchte aber betonen, dass ihr da durchaus anderer Meinung sein könnt. Garmin & Co. haben sicherlich auch in mancher Hinsicht Vorteile gegenüber Smartphones. Den ausführlichen Artikel "Smartphone statt Garmin?" habe ich im Herbst 2018 umfangreich aktualisiert.

Vor diesem Hintergrund werde ich immer wieder mal nach meinen Erfahrungen mit Smartphones zum Navigieren und Kauf-Empfehlungen gefragt. Deshalb habe ich mich entschlossen, in diesem Artikel noch einmal die wichtigsten Fragen und Antworten kurz zusammenzustellen und euch auch meine neuesten Entscheidungen mitzuteilen. Zum Einstieg habe ich die wichtigsten Infos noch mal auf einen Blick zusammengestellt.

 

Welche Vorteile hat ein Smartphone?

  • größeres Display und insofern auch für Brillenträger besser abzulesen
  • Auswahl an Software (Locus, Komoot usw.)
  • individuelle Konfiguration dieser Software
  • Auswahl an Karten (openandromaps, LoMaps, outdooractive usw.)
  • Online-Verbindung
  • Kamera im Gerät
  • weitere Apps möglich (Wetter, Steuerungsapps für E-Bikes usw.)
  • Telefon/Messenger
  • Notruffunktion

Welche Nachteile hat ein Smartphone?

  • Display eventuell bei Sonneneinstrahlung schlechter ablesbar
  • Haltbarkeit Akku
  • erhöhte Bruchgefahr
  • Bedienung bei Nässe
  • größer als Radcomputer oder Garmin

Welche Anforderungen soll ein Outdoor-Smartphone erfüllen?

  • Zertifizierung nach IP68 gegen Eindringen von Staub und Wasser
  • grosser Akku
  • Display-Schutz durch Gorilla-Glas
  • Schutz gegen Beschädigungen durch Outdoor-Hülle
  • persönliche Anforderung: Preislimit bei 150 € (damit es nicht ganz so weh tut, wenn es dann doch mal kaputtgeht)

wo kann ich ein Outdoor-Smartphone kaufen?

  • Kauf aus der EU bei Amazon, ebay oder aus dem EU-Lager eines China-Händlers
  • Kauf direkt in China
  • Gebrauchtkauf

meine neuesten Erkenntnisse

Die Fotos (beim Klick auf ein Foto öffnet sich eine größere Ansicht).

Um den Jahreswechsel 2018/2019 gab zuerst mein "normales" Smartphone seinen Geist auf. Egal, ich hatte ja noch mein Outdoorhandy Blackview BV5000, da konnte ich mir mit der Suche nach einem neuen Zeit lassen. Es wäre ja schön, wenn das neue IP68-zertifiziert wäre, damit ich es als Ersatz-Navi nutzen könnte, wenn auf langen Touren dem BV5000 doch mal der Saft ausgeht. Im Zuge meiner Recherchen stieß ich darauf, dass einige der neueren Samsung-Geräte der Mittel- und Oberklasse diese Zertifizierung besitzen und darüber hinaus sogar noch mit Gorilla-Glas versehen sind. Also ideal, um es als Alltagshandy und notfalls als Ersatznavi nutzen zu können. Meine Wahl fiel auf das Samsung Galaxy A5 (2017).

Mit einer 360°-Hülle und einem zusätzlichen Panzerglas (siehe Bild links) hielt ich es für den Einsatz als Bike-Navi ausreichend geschützt und nicht zu klobig für den Alltagseinsatz. Dann ging es in die ersten Tests. Die wichtigste Frage für mich ist: "Wie lange hält der Akku?" Der hielt bei voller Display-Beleuchtung und immer-an so um die 5 Stunden durch. Das reichte für meine "normalen" Touren, aber für längere war es etwas knapp.

Na gut, ich hatte ja noch das BV5000, das problemlos so zwischen 8-10 Stunden durchhielt und das ja mein Haupt-Bike-Navi war. Hatte ich mir so vorgestellt, aber wie es manchmal so geht, fiel während der Testphase des Samsung das BV5000 so unglücklich hin, dass es mit einem Displayschaden nicht mehr zu gebrauchen war. 

Jetzt hatte ich ein (kleines) Problem, weil dem Samsung ja nach "nur" 5 Stunden der Saft ausging.

Mir fielen 2 Lösungen ein. Die erste war ein Aufladen per mitgeführter Powerbank. Das probierte ich zuerst mal aus, glücklicherweise nach einer Tour, die ziemlich nass war. Das Samsung warnte mich, dass es Feuchtigkeit an der Ladebuchse feststellte und forderte mich auf, den USB-Stecker aus der Ladebuchse zu entfernen, da das Gerät sonst Schaden nehmen konnte. Bis es sich dann letztendlich aufladen ließ, dauerte einige Stunden. Diese Lösung funktionierte zwar, aber eben leider nur bei trockenem Wetter.
Da musste also trotzdem wieder ein Outdoor-Phone mit einem grösseren Akku her. Mehr als 150€ wollte ich nicht dafür ausgeben. Für diesen Preis fand ich einige auf ebay und Amazon und noch ein paar weitere in den einschlägigen Chinashops (Adressen siehe "Smartphone statt Garmin - Teil 1"). Welche das sind, habe ich im nächsten Abschnitt aufgelistet. Meine Wahl fiel auf das Doogee S30, das mit seinem 5.580 mAh starken Akku fast doppelt soviel Kapazität wie das Samsung A5 mit seinen 3.000 mAh hat. Bei Amazon konnte ich das für 85€ als B-Ware (statt normal 112€) ergattern. Im Vergleich zum Samsung war es zwar ein ganzes Stück schlechter ausgestattet (Auflösung, Arbeitsspeicher, Prozessor), aber als alleiniges Bike-Navi war das zu vernachlässigen.

Dann ging es in die ersten Testfahrten mit dem Doogee. Enttäuscht musste ich feststellen, dass es anscheinend etwas verschwenderischer mit dem Strom umging, denn statt der erhofften ca. 10 Stunden Laufzeit kam es nur auf 6 (also nur 1 Stunde mehr als das Samsung). Nicht den Erwartungen entsprechend, aber trotzdem für 85€ akzeptabel, denn ich hatte als Ergänzung für lange Touren ja noch das ebenfalls outdoor-fähige Samsung. Weitere Testfahrten zeigten aber darüber hinaus, dass ich mittlerweile vom Samsung etwas verwöhnt war. So erfolgte z.B. die Drehung der Karte bei einem Richtungswechsel mit etwas mehr Verzögerung und noch etwas fiel mir auf. Das GPS des Samsung war anscheinend erheblich empfindlicher als das des Doogee. Die Anzeige (und die Aufzeichnung) der gefahrenen Strecke beim Doogee lag häufiger mal einen halben bis zu einem Meter neben dem Weg. Bisher hatte ich das bei meinen bisherigen Handys als grundlegende GPS-Ungenauigkeit unvermeidbar gesehen und erst jetzt fiel mir auf, wie genau das Samsung das anzeigte. Trotzdem, ich jammere jetzt auf hohem Niveau, aber wenn du weisst, dass es besser geht, suchst du nach Möglichkeiten, das Bessere zu bekommen.

Nach wie vor war ich nicht bereit, mehr als 150€ auszugeben. Ein zweites Samsung A5 wäre eine gute Option, aber das lag über meinem Budget, vor allem vor dem Hintergrund, dass es ja nur für einen Einsatz bei längeren Touren vorgesehen war. Die Lösung: ein Samsung gebraucht bei ebay-Kleinanzeigen. Das Angebot im Umkreis von 30km ist ziemlich groß. Mit ein bißchen suchen bekommt man ein ca. 1 Jahr altes Gerät so wie ich für um die 100€. Im Lauf der nächsten Zeit wird sich für mich herausstellen, ob ich zukünftig hauptsächlich mein Haupt-Handy oder das (gebraucht gekaufte) Navi-Handy am Lenker befestige. 

meine derzeitigen Smartphone-Empfehlungen(Stand 15.03.2019)

Ich habe in den letzten Wochen viel zum Thema outdoorfähige Smartphones recherchiert. Es wäre zu schade, wenn ich die Ergebnisse für mich behalten würde. Deshalb nachfolgend eine Auflistung der Geräte bis zu einem Kaufpreis von ca. 150€:

  • Samsung Galaxy A3 (2017), A5 (2017), S7 (jeweils gebraucht)
  • Blackview BV5500, BV6000, BV6000s, BV7000, und BV 7000pro
  • Cubot King Kong (der Nachfolger Cubot King Kong 3 soll wesentlich besser sein, aber leider auch preislich über 150 €)
  • Doogee S30 und S60 Lite
  • Homtom HT20
  • Nomu S10, S10pro, S20, S30 mini
  • Oukitel WP1
  • Poptel P8 und P10
  • Ulefon Armor X2 

Wenn ihr selbst recherchieren möchtet, empfehle ich euch die Links aus GPS & Co. - Smartphone statt Garmin? - Teil 1 und diese englischsprachige Seite listet sehr aktuell Outdoor-Smartphones auf https://mobiloscope.net/en/hardware/smartphones/waterproof-rugged-smartphones-IP67-IP68.html

Halterung

Zum Schluß dieses Artikels möchte ich das nicht unwichtige Thema "wie befestige ich das Handy?" aufgreifen. Ich selbst war von Anfang an mit meiner Bastellösung "Reigis Smartphone Klette" sehr zufrieden. Von anderen Bikern weiß ich, dass sie sehr gut mit den Quadlock-Lösungen zurechtgekommen sind. 

Im Zuge meiner Recherchen bin ich allerdings auf eine Alternative gestossen. Die habe ich in den letzten Monaten ausführlich getestet und kann sie sehr empfehlen, zumal sie preislich sehr attraktiv ist. Auf youtube gibt es ein Video, das die Halterung ausführlich und verständlich erklärt. Es gibt diese Lösung von verschiedenen Anbietern. Meine habe ich bei aliexpress direkt in China geordert, ich habe sie aber auch bei Amazon (Link1 und Link2) gesehen.

Die Fotos (beim Klick auf ein Foto öffnet sich eine größere Ansicht).

Da ich nach wie vor der Meinung bin, dass das Handy möglichst flach am Lenker befestigt werden sollte, habe ich diese Halterung etwas "angepasst". Ich nutze nur die "Trägerplatte" und habe alles andere von der Halterung abgeschraubt. Die eigentliche Befestigung habe ich mit der Ahead-Schraube vorgenommen. So kann ich den Steuersatz immer noch problemlos einstellen. Das sieht zwar ohne Handy etwas komisch aus, aber da ich nie ohne fahre, finde ich das vertretbar. Ich war zuerst etwas skeptisch, ob sich das Smartphone nicht losrappelt oder sich anderweitig löst. Diese Befürchtungen haben sich aber als unbegründet erwiesen.  

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