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(Artikel komplett überarbeitet am 25.08.2018) 

Vor ca. 2,5 Jahren habe ich für mich persönlich die Entscheidung getroffen, mein Outdoor-GPS-Gerät (in meinem Fall ein Garmin), das mich viele Jahre treu begleitet hat, einzumotten und stattdessen zukünftig mit dem Smartphone zu navigieren. Eine solche Entscheidung wird unter Bikern sehr kontrovers diskutiert. Das Hauptargument der Gegner ist, dass sie sich nicht ein so großes Gerät am Lenker befestigen möchten, die Befürworter argumentieren (so wie auch ich), dass sie das für den zusätzlichen Komfort in Kauf nehmen. Welche anderen Argumente noch für oder gegen ein Smartphone sprechen, könnt ihr beispielhaft in diesem Thread bei MTB-News nachlesen. Hier geht es dem Titel nach vorwiegend zwar nur um ein bestimmtes Smartphone (das Doogee S60), im Verlauf des Threads wird aber auch die allgemeine Entscheidung diskutiert.

Der User Michihh vergleicht in einem seiner Beiträge wie ich finde, kurz und knapp:

Vergleichen wir doch mal direkt das € 600,- Flagschiff Garmin Edge 1030 mit dem Doogee s60 und vergeben für jede Disziplin an das jeweilig besser einsetzbare Gerät 1 Punkt, die Ablesbarkeit in der Sonne bewerten wir mit 3 Punkten. Das Doogee schlägt ein Garmin 1030 in mehr als 10 Disziplinen (z.B Bildschirmgröße, Verwendbarkeit, Konnektivität, Auflösung, bei der Navigation, dem Speicherplatz, der Geschwindigkeit der Hardware, der Funktionalität, der Kamera, des Telefons, es ist wasserfester und staubsicherer (lt Zertifizierung) etc. pp. Das Garmin kann bisher nur 2 Disziplinen für sich entscheiden, es ist kleiner und leichter. Noch bringt die Sonne auch im Höchsten derzeitigen Stand und direkter Einstrahlung das Doogee nicht in Verzweiflung, es ist klar und deutlich zu erkennen. Evtl. (q.e.d.) sieht es im Sommer anders aus. Die Akkulaufzeit ist bei beiden Geräten schwer vergleichbar. Wenn ich auf dem Doogee mit meistens deaktivem Display nur GPS Daten aufzeichne, hält das Gerät 40+h durch, für das Garmin sind 15-20h angegeben. Ist das Display daueraktiv bei ca 55-60% Helligkeit, kommt man mit dem Doogee noch auf 11h, wie lange leuchtet das 1030 mit aktiver Hintergrundbeleuchtung? So verglichen, verliert das Garmin gnadenlos

Michihh

Trotzdem bleibt als Fazit, dass es nicht DIE eine Lösung für alle gibt. Jeder muss das für sich selbst abwägen.

Zurück zu meiner persönlichen Entscheidung. Ich habe in dieser Zeit 3 verschiedene Smartphones gekauft und genutzt. Alle waren sogenannte Outdoor-Smartphones, die speziell gegen Sturzschäden und das Eindringen von Staub, Schmutz und Wasser geschützt sind. Im Februar 2016 entschied ich mich für ein Gerät aus China, ein Blackview BV5000. Das ist mir leider nach 2 Monaten direkt auf das Display gefallen. Das überstehen normalerweise Outdoor-Smartphones besser als "normale" Handys, aber eben nicht immer. Das Blackview habe ich durch ein Samsung S4 active ersetzt. Hinsichtlich Display und vor allem Akku-Laufzeit konnte es dem Blackview aber nicht das Wasser reichen. Die Akku-Kapazität betrug nur die Hälfte des BV5000 und auch sonst lag der Stromverbrauch höher. Das habe ich versucht, mit einer per USB-Kabel angeschlossenen Powerbank zu lösen. Im Dezember 2016 ließ sich das Samsung nicht mehr aufladen (ich vermute durch eingedrungene Feuchtigkeit am Ladeport) und musste ersetzt werden. Das Blackview hatte mich in den beiden Monaten der Nutzung dermaßen überzeugt, dass ich mich wieder dafür entschieden habe und es bis heute sehr zufrieden nutze. Vor allem die lange Akkulaufzeit überzeugt. Dieser hält bei höchster Helligkeit und ständig eingeschaltetem Display und laufender Trackaufzeichnung ca. 8-10 Stunden durch (je nach Außentemperatur). Aber auch das Display selbst und die Schnelligkeit des Prozessors überzeugt und das zu einem Preis, zu dem ich noch nicht einmal das einfachste Outodoor-GPS-Gerät kaufen kann.

Nach 2,5 Jahren extensiver Nutzung bin ich persönlich nach wie vor von der Smartphone-Lösung überzeugt und werde nach heutigem Stand keinesfalls mehr ein spezielles Navi-Gerät nutzen. Wenn ihr es auch mal probieren wollt, empfehle ich, beim Kauf besonders auf die Kapazität des Akkus und ein helles Display zu achten. Außerdem ist ein hochwertiger GPS-Chip von Bedeutung (notebookcheck.com vergleicht in seinen Testberichten häufig mit einem Garmin-Gerät).

Bei der Suche werdet ihr schnell feststellen, dass Outdoor-Smartphones der bekannten Marken eher selten sind. Anders sieht es bei den Chinahandys aus. Dort gibt es ein sehr breites Angebot zu meist außerordentlich günstigen Preisen. Meine erste Anlaufstelle ist chinahandys.net. Die haben sogar eine eigene Bestenliste für Outdoor-Phones. Einige dieser Smartphones könnt ihr u.a. bei Amazon oder ebay kaufen oder eben bei diversen Shops direkt aus China zu noch günstigeren Preisen beziehen. Chinahandys.net erklärt das Verfahren beim Kauf in Chinashops.  Der gravierendste Nachteil beim Kauf direkt in China ist die praktisch fehlende Garantie. Es gibt aber auch noch anderes zu beachten: Link zu Artikel bei notebookcheck.com

In diesem Zusammenhang möchte ich auch nochmal auf die Apps hinweisen, die es zur Navigation mit dem Smartphone gibt. Ausführliche Anleitungen zu Locus, der App meiner Wahl, findet ihr in den Artikeln 

Natürlich gibt es auch noch andere Apps. Eine kleine Auswahl habe ich im Artikel GPS & Co. - Apps zusammengestellt. 

Am Bike nutze ich persönlich nicht mein "normales" Handy, sondern habe ein zusätzliches Smartphone gekauft. Einmal, weil es durch die Outdoor-Tauglichkeit und den dicken Akku schwerer und größer und damit unhandlicher ist als ein normales Handy und es eben doch auch mal ziemlich schmutzig werden kann. Außerdem kann ich dadurch Befestigungslösungen, von denen ich euch im nächsten Abschnitt zwei näher vorstellen möchte, dauerhaft anbringen.

Die erste Lösung ist eine Bastellösung. Die habe ich im Artikel "GPS & Co. - Reigis Smartphone-Klette" vorgestellt. Sie hat sich seit Jahren bewährt. Das Handy ist bei mehreren Stürzen zwar schon mal vom Lenker gerissen worden, aber konnte durch die Sicherung mit einer Handschlaufe immer nur ein paar Zentimeter fallen. Wahrscheinlich auch deswegen ist es bis jetzt heil geblieben.  

Die zweite ist eine Kauflösung der Firma Quadlock. Auch diese habe ich im Artikel "GPS & Co. - Reigis Smartphone-Klette" vorgestellt. Ist zwar nicht ganz billig, ich weiß aber, dass viele Mitbiker diese Lösung seit Jahren zur vollsten Zufriedenheit nutzen. Und solltet ihr euer "normales" Handy mitnehmen wollen und auf der Suche nach einer Schutzhülle sein, dann schaut mal in diesen Artikel vom Prime Mountainbiking Magazin. Vielleicht ist da etwas für euch dabei. Was diese Lösung taugt, kann ich persönlich nicht beurteilen. Deswegen zitiere ich auch hier nochmal aus aus dem obigen Thread bei MTB-News:

Ich hab um mein Sony XA jetzt auch so nen "Hältallesausklumpen" rumgeschraubt. Doppelt so schwer, und mieserabler Empfang. GPS hüpft wie ein junges Reh durch den Wald und ist nahezu unbenutzbar. Ich helfe mir gerade mit einer Buetooth-GPS-Maus... :oops:

Benes

Zum Schluss noch ein Tipp: Es hat sich herausgestellt, dass eine dunkle Sonnenbrille auch euer Navi, egal ob Spezialgerät oder Smartphone abdunkelt und schlechter lesbar macht. Unter anderem deswegen habe ich konstraktverstärkende gelbe Gläser in meiner Bikebrille.