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59In Kürze habe ich Geburtstag, einen runden Geburtstag. Dann steht die "6" vorne oder anders ausgedrückt habe ich schon 6 Jahrzehnte hinter mir. Im letzten Jahrzehnt lag der Schwerpunkt in meiner Freizeit hauptsächlich auf dem Biken. Als ich vor ca. 10 Jahren im zarten Alter von knapp 50 Jahren mit dem Mountainbiken anfing, habe ich gedacht: "Du versuchst einfach so lange zu fahren, wie es dir Spaß macht, deine Gesundheit und insbesondere deine Hüftgelenke, die damals schon ziemlich verschlissen waren, das mitmachen  und mit 60 ist sowieso Schluß." Jetzt werde ich dieses Jahr 60 und es ist Zeit, mal meine damalige Aussage mit 60 Schluß zu machen auf den Prüfstand zu stellen.

 

Als ich 60-jährige Menschen aus der Warte eines 20 oder 30-jährigen gesehen habe, standen 60jährige für mich schon mit einem Bein im Grab. Mit 40 waren sie uralt, mit 50 "nur" noch alt und so kurz vor dem 60igsten fühle ich mich eigentlich noch nicht so, als wenn ich in ein paar Monaten schon zum alten Eisen gehören würde. Das Biken macht immer noch viel Spaß. Sicherlich, es fällt mir nicht mehr so leicht wie am Anfang, mit den teilweise 15 oder 20 oder noch mehr Jahren jüngeren mitzuhalten (obwohl der eine oder andere von euch das bisher kaum gemerkt hat). Speziell im letzten Jahr habe ich feststellen müssen, dass lange Touren mir gerade auf den letzten Kilometern ziemliche Schwierigkeiten bereiteten. Vor allem, wenn ich mein "Wohlfühltempo" überschritten habe (auch wenn es nur ein wenig war), weil man seine Mitfahrer nicht warten lassen wollte. Das Berghochfahren, das im Übrigen sowieso noch nie mein Ding war, fiel mir trotz aller möglichen Tuningmaßnahmen an Körper und Bike immer schwerer. Auch die Regenerationszeit hat sich um einige Tage verlängert.

Geht es anderen in meinem Alter genauso? Welche Erfahrungen gab es? Schnell mal gegoogelt. Aha, da haben wir es ja schon.

Erwiesen ist, dass schon ab dem 35. Lebensjahr die körperliche Leistungsfähigkeit langsam abnimmt. Infolge der Alterungsprozesse sinkt der Energiegrundumsatz, die Muskeln werden schwächer, die Ausdauer lässt nach, und die Knochendichte nimmt ab. Die Leitfähigkeit der Nerven und die Reflexe werden langsamer, die Bewegungen weniger genau, und es kommt zu Gleichgewichtsstörungen. Erwiesen ist aber auch, dass Menschen, die sich zu wenig bewegen, rascher altern als jene, die regelmäßig und vor allem lebenslang ausreichend körperlich aktiv sind.

Am Abend wurde vom WDR in der Reihe Quarks & Co. die Sendung "Wie alt bist du wirklich?" ausgestrahlt. Das passte ja. Da wurde u.a. ein Beitrag über einen 73-jährigen Triathleten gesendet, der noch aktiv Wettkämpfe bestritt. Obwohl die Ärzte ihm immer wieder bescheinigten, dass er topfit war, wurden seine Zeiten von Jahr zu Jahr langsamer und das lag nicht daran, dass die Form immer schlechter wurde oder er immer weniger trainierte. Einfach die Tatsache, dass er Jahr für Jahr ein Jahr älter wurde, war der Grund für die nachlassende Leistungsfähigkeit. 

Was machten denn andere in meiner Situation, die noch nicht genug von ihren Lieblingsbeschäftigungen hatten. Es gibt noch so viele Trails, die ich noch nicht gefahren, so viele, die ich gerne noch einmal fahren möchte. In einem weiteren Beitrag bot Ranga Yogeshwar einen interesssanten Gedankenansatz.  Es nennt sich das SOK-Prinzip und damit möchte ich es zukünftig mal probieren:

Die Schlüsselbegriffe, mit deren Hilfe das Altern leichter fällt, sind: Selektion, Optimierung und Kompensation ("SOK-Prinzip"). Der berühmte Pianist Arthur Rubinstein hat das sehr schön verdeutlicht: Er habe sein Repertoire verringert (also eine Selektion, eine Auswahl, getroffen). Dann übe er diese wenigen Stücke mehr als früher. (Das ist die Optimierung.) Und weil er die Stücke nicht mehr so schnell spielen konnte, hat er vor besonders schnellen Passagen das Tempo verlangsamt. Im Vergleich erschienen diese Passagen dann wieder zufriedenstellend schnell. (Kompensation.)

Sicherlich kann nicht jeder Mensch an seinem Arbeitsplatz einfach das Tempo verringern oder sein Repertoire verkleinern. Aber jeder hat die Möglichkeit, in seinem Leben auszumisten, wenn er merkt, dass es zu viel wird. Und fast jeder kann Dinge an andere Menschen abgeben; sei es Arbeit oder Verantwortung. Forscher sind sicher: Das macht nicht schwächer, sondern freier und damit zufriedener.

Und so habe ich für mich persönlich in Bezug auf das Biken folgende Entscheidungen getroffen:

1. Selektion
Selektion bedeutet bei mir, dass ich mir möglichst nur noch die Rosinen rauspicke. Ich gehe gerne auf Entdeckungstouren. Neue Trails in einem Umkreis von ca. 30km um meinen Heimatort zu finden, ist für mich mittlerweile fast unmöglich geworden. Ich werde also in Zukunft vermehrt mein Bike auf den Smart packen und zunächst mal mindestens 30 Kilometer fahren. Dabei habe ich nach heutigem Stand vor allem Eifel, Ardennen, Limburgse Heuvelland und die Trails rund um den Niederrhein-Marathon im Blick. Mit dem Auto die Anreise zu verkürzen habe ich bisher möglichst vermieden, weil ich immer der Meinung war, dass ich diese Zeit lieber auf dem Bike verbringe. Diese Ansicht vertrete ich zwar nach wie vor, aber da steht mir meine Leistungsfähigkeit zukünftig im Weg. Und damit sind wir bei Punkt 2.

2. Optimierung
Ausdauerfähigkeit und Kraft werden, wie oben schon aufgeführt, geringer. Um die vorhandenen Vorräte möglichst spaßbringend zu verbrauchen, darf ich nicht mehr so lange Anreisen durch bekanntes Gebiet mit dem Bike absolvieren. Tendenziell heisst das natürlich auch, dass die Tourenlänge geringer wird. Ich hoffe aber, dass der Spaß umgekehrt proportional zunehmen wird, weil die Kräfte noch da sind. Und damit wären wir dann auch schon bei Punkt 3.

3. Kompensation
Ich habe mir vorgenommen, Touren nur noch in meinem Wohlfühltempo zu bestreiten. Das heisst, nicht auf die Geschwindigkeit zu schielen, sondern das Drumherum zu genießen. Dann werden auch Anstiege (wieder) ihren Schrecken verlieren, weil ich weiß, dass ich oben ankomme, egal wie lange es dauert.

Und was heisst das jetzt für euch?
1. Wem das, was ich unter dem SOK-Prinzip schilderte, nicht zu langsam, zu kurz, zu unsportlich, zu wenig fordernd oder was weiß ich ist, ist natürlich weiterhin gerne eingeladen, mich zu begleiten. Ich betone aber noch mal, dass ich mich keinesfalls im Gruppenzwang dazu hinreißen lassen werde, über meine Grenzen hinauszugehen. Der Spaß und nicht der Schmerz soll zukünftig allein im Vordergrund stehen. Der sportliche Aspekt rückt für mich persönlich in den Hintergrund. Ich brauche und möchte niemandem beweisen, wie fit ich noch jenseits der 60 sein kann.  Wenn ich meine, nach 30 Kilometern habe ich genug, werde ich auf dem kürzesten Weg das Ziel suchen. Wer mich begleitet, kann ja gerne eine längere Distanz oder die bisherige Runde doppelt fahren und sich damit nach seinen eigenen Vorstellungen auspowern. Ich will aber auch nicht ausschließen, dass es auch mal vorkommen kann, dass ich mal einen sehr guten Tag habe und dann auf meine Begleiter warte ;-).

2. Es tut mir leid, euch mitteilen zu müssen, dass es nur noch wenige Heimatkunde-Runden geben wird. Der Aufwand, den ich für die Planung, Durchführung und Nachbearbeitung betreiben musste, ist mir zukünftig einfach zu groß. Zwei habe ich hier noch fertig liegen und die werde ich auch noch anbieten. Ob und in welcher Form ich die geplante 5-Halden-Tour noch anbiete (von dem ich dem einen oder anderen schon erzählt habe), weiß ich nicht. Ebenso wird es keine MMM (MTB-Heinsberg-Mega-Miler = Touren jenseits der 100-Kilometer-Grenze) mehr geben.

3. Die Webseite werde ich weiter pflegen. Habe ich Lust, einen eigenen Bericht zu schreiben, tue ich das. Gerne veröffentliche ich auch, wie bisher, mir zugesandte Berichte anderer Biker. Bitte immer ein paar Bilder zufügen, weil Berichte ohne Bilder keinen Spaß machen. Einzige Bedingung ist, dass es einen Bezug zu unserer Bikeregion gibt (also z.B. keine Urlaubsberichte aus anderen Regionen). Auch von der (selbst auferlegten) Verpflichtung, den Newsletter monatlich zu versenden, möchte ich mich befreien. Die ursprüngliche Idee dahinter war ja, euch die CTF-Termine in unserer Region zeitnah mitzuteilen. Die Pflege des Terminkalenders und der Versand des Newsletters ist in letzter Zeit eher zu einer lästigen Pflicht geworden. Mittlerweile gibt es viele andere Seiten im Netz, auf denen man sich informieren kann. Ich werde den Terminkalender voraussichtlich mit einer Linkliste ablösen. Interessierte können sich dann dort selbst informieren. Den Newsletter möchte ich aber nicht ganz einstellen. Wenn es etwas Besonderes zu berichten gibt, werde ich diesen zukünftig bei Bedarf in unregelmässigen Abständen versenden. 

Soweit die Änderungen, die mein Biker-Leben betreffen. Auch im privaten und beruflichen Bereich habe ich in den vergangenen beiden Jahren einige Entscheidungen getroffen, die mich optimistisch in die Zukunft blicken lassen. Ich habe jetzt das gute Gefühl, die Weichen gestellt zu haben, dass mein Leben und das meiner lieben Frau in den nächsten Jahren so zufrieden verlaufen kann, wie wir uns das vorstellen. Das, was wir dafür tun können, haben wir getan. Hoffen wir, dass auch die Gesundheit mitspielt. Dass alle schönen Träume sich im Nichts auflösen, wenn dem nicht so ist, habe wir leider im vergangenen Jahr erfahren, als wir 2 unserer Mitbiker auf ihren letzten Trail begleiten mussten.

2. Juli 2011 Zwischenbilanz

Es ist jetzt ein halbes Jahr her, seit ich mir Gedanken gemacht habe, wie es mit biken für mich weitergeht. Zwischenzeitlich hatte ich Geburtstag und habe die magische Zahl erreicht. Ich fühle mich aber nicht anders als vorher. Das ist schon mal gut.

Auf meine Gedanken, die ich im Beitrag „Das SOK-Prinzip“ veröffentlicht habe, habe ich viele Reaktionen bekommen. Auch während gemeinsamer Fahrten werde ich oft gefragt, ob ich denn schon ein Fazit ziehen kann und ob ich wirklich nach dem SOK-Prinzip handele. Darauf gibt es eine ganz klare Antwort: jein.

Lasst uns mal auf meine Entscheidungen, die ich Anfang des Jahres getroffen habe, schauen. Unter „Selektion“ (das „S“ des SOK-Prinzips) habe ich mir vorgenommen, zum neue Wege entdecken, häufiger mit dem Auto irgendwohin zu fahren und dort zu starten., Da muss ich klar zugeben, dass ich das nicht getan habe. Es gibt aber auch einen Grund. Anfang des Jahres bin ich so gut wie gar nicht gefahren. Als das Wetter es dann wieder zuließ, wollte ich zunächst mal mit ruhigen Runden beginnen, ehe es wieder auf die Trails ging. Das habe ich auch getan. Allerdings wurden diese ruhigen Runden fast immer länger wie geplant. Ein Grund ist sicherlich, dass ich eines meiner Bikes, das Cube-Fully auf 12 Kilo erleichtert und zudem einen exorbitant gut rollenden Reifen mit dem Conti X-King gefunden habe. Allerdings merkte ich andererseits, dass es auch Spaß macht, mal Strecken (natürlich abseits der viel befahrenen Verkehrswege), die vorwiegend asphaltiert oder geschottert sind, zu befahren und einfach mal die Landschaft zu genießen oder seinen Gedanken nachzuhängen.

Insgesamt hat das wohl dazu geführt, dass ich dieses Jahr eine sehr gute Grundlagenausdauer aufgebaut habe.

Und damit haben wir auch schon den Grund, warum die „Optimierung“ (das „O“ im SOK-Prinzip) anders aussieht oder besser gesagt, aussehen kann, wie ich es mir eigentlich vorgenommen habe. Zur Optimierung wollte ich eigentlich Anreisen zu schönen Trailgebieten mit dem Auto statt mit dem Bike absolvieren. Weil die Grundlagenausdauer aber ziemlich gut ist, habe ich meine Strategie etwas umgestellt. Ich suche mir schöne trailhaltige Gebiete in etwas weiterer Umgebung raus (z.B. Heuvelland, Brunssumer Heide, Voreifel, Weisser Stein usw.) und fahre mit dem Bike auf verkehrsarmen und gut zu rollenden Wegen dort hin. Trotzdem überlege ich mir Anreisen mit dem Bike gut. Wenn der Mittelteil von 45 Kilometer Länge fast nur aus Trails besteht (wie z.B. bei der Heimatkunde 8 -Downhill), fahre ich lieber mit dem Auto zum Startpunkt und komme dann entspannt wieder zu Hause an, als die Rückfahrt mit dem Bike auf dem Zahnfleisch zu absolvieren.

Und damit komme ich zu Punkt 3, der „Kompensation“ (das „K“ im SOK-Prinzip). Ich hatte mir vorgenommen, Touren nur noch in meinem Wohlfühltempo zu bestreiten und Anstiege nur noch so zu fahren, dass ich mich oben immer noch wohlfühle. Das war genau die richtige Entscheidung. Auf meinen Touren in diesem Jahr habe ich immer versucht, locker zu bleiben.In meinem Beitrag vom Januar hatte ich eher scherzhaft geschrieben „Ich will aber auch nicht ausschließen, dass es auch mal vorkommen kann, dass ich mal einen sehr guten Tag habe und dann auf meine Begleiter warte ;-). „ Mittlerweile habe ich festgestellt, dass das in diesem Jahr bereits mehrfach vorgekommen ist. Anscheinend kocht die Jugend auch nur mit Wasser ;-)

Welches Fazit ziehe ich denn jetzt?

  1. Je fitter man ist, desto mehr Spaß macht es
  2. Meine Strategie, die ich unter Optimierung beschrieben habe, stösst anscheinend bei mehr Bikern auf Gegenliebe, wie ich gedacht habe. Zumindest hat die Zahl der Mitbiker in den letzten Wochen erheblich zugenommen.
  3. Die nächste MMM (MTB-Heinsberg-Mega-Miler) ist fast schon fertig.
  4. Und last but not least. Ich habe gemerkt, dass ich konsequenter geworden bin. Ich werde weniger Kompromisse eingehen. Wenn ich mir vorgenommen habe, eine Tour in einer bestimmten Art und Weise und mit einer frühen Startzeit (für die ich mittlerweile bekannt bin) zu fahren, werde ich das auch tun. Wer mitfahren möchte, ist herzlich eingeladen und ich freue mich auch sehr darüber. Das klingt jetzt vielleicht etwas rücksichtslos, aber ich habe nur noch begrenzt Zeit, meine Bike-Träume zu leben.

 Insgesamt macht mir das Biken derzeit sehr, sehr viel Spaß, zumal ich in diesem Jahr wieder einen Haufen nette Mountainbiker kennengelernt habe. Ich hoffe, dass ich noch einige Jahre körperlich in der Lage bin, die Trails unsicher zu machen. Aber das warten wir mal ab.