DSC_0041Marco, einer unserer Mitbiker, der erst vor kurzem zu unserer Truppe gestoßen ist, hat mir einen schönen Bericht über seine Teilnahme am 2011er Black Forest Ultra Bike Marathon zugesandt. Danke für den Bericht und die Bilder und alle Achtung vor deiner starken Leistung.

Black Forest Ultra-Bike-Marathon am vergangenen Sonntag:

Ausgerechnet die 14. Rekordauflage des Black Forest Ultra Bike-Marathon in Kirchzarten erwies sich am heutigen Sonntag als die extremste aller Zeiten:
Denn die 4.779 Starter - 5.174 waren gemeldet - erwartete die wohl fiesesten Umstände: Hagelschauer sorgten in Bärental/Altglashütten für teilweise schneebedeckte Abschnitte. Dazu Temperaturen von gerade mal vier Grad Celsius.
Obendrein noch ein heftiger, böiger Wind. Der Schwarzwald zeigte den Teilnehmern des größten Mountainbike-Marathons in Mitteleuropa zum allerersten Mal seine ganz brutalen Seite.

Soviel zum offiziellen Statement der Veranstalter.

Mit einem Freund und jeder Menge Gepäck an Bord starteten wir am Freitag gut gelaunt in Richtung Kirchzarten im Schwarzwald.
Bereits zum dritten Mal nehme ich an diesem Event teil.
Habe ich mich bei meiner Premiere noch mit dem Short Track (43km/900Hm) und im Jahr darauf mit dem Marathon (77km/ 2000Hm) begnügt, sollte es diesmal der Power Track (88km/ 2300Hm) sein.

Gerade angekommen und das Zelt aufgebaut, kam der erste Regenschauer. Es sollte nicht der letzte sein

Abgesehen davon, dass es mit unter 10 Grad doch recht frisch war, machten wir das Beste aus dem Wetter und schulten unsere Kenntnisse in Speed-Grillen zwischen den Regenpausen.

In der Nacht von Freitag auf Samstag ging über unserem Zeltplatz die Welt unter. Ein heftiges Gewitter mit unglaublich vielen Blitzen liessen mich an der Idee zweifeln, dass Zelt unter dem größten Baum des Platzes aufgestellt zu haben
Angst kam jedoch nicht auf, da ich viel zu sehr damit beschäftigt war, einen Quadratmeter im Zelt zu finden, wo es nicht tropfte.
Am folgenden Morgen flickten wir mit tiefen Ringen unter den Augen unser Zelt notdürftig mit einer Rolle Panzerband und Kleber.

Der Samstag reihte sich wettermäßig nahtlos in den Freitag ein.
Das Unwetter hat in der folgenden Nacht unserem Zelt den Rest gegeben.

Sonntag Morgen - 07:00 Uhr:

Endlich ist es soweit. Nach zwei Tagen des Fröstelns sitzen wir beim Frühstück vor den Resten des Zeltes und prägen uns das Streckenprofil ein.
Der Veranstalter legte für die Teilnehmer des Power Track einen kleinen Aufkleber mit dem Streckenprofil bei, welchen ich mir auf die Stange meines Bikes klebte.
Gegen 07:45 Uhr wurde mein Bike auf einen Lkw verladen, da der Start für den Power Track um 09:15 Uhr in Hinterzarten erfolgte.
Dort mit einem Sonderzug eingetroffen, rauschten gerade die Ultra Biker am Bahnhof vorbei.
Diese sind bereits seit 07:30 Uhr auf ihrer 117km langen und mit fast 3500Hm sehr anspruchsvollen Strecke.
Ein Blick auf den Verschmutzungsgrad von Bike und Biker liessen das Schlimmste über die Streckenverhältnisse erwarten.

Um 09:15 Uhr war es dann endlich soweit.
Gemeinsam mit 450 Power Trackern, welche in 8 Startblöcken an den Start gingen, machte ich mich auf die Strecke.
Pünktlich zum Start fing es wieder wie aus Eimern an zu regnen.

Im Verlauf des Rennens querten wir überflutete Unterführungen, extrem aufgeweichte Wald- und Schotterwege und kämpften gegen Sturm, Matsch und Regen an.DSC_0042
Trotz Abfahrt musste man teilweise in die Pedalen treten, da der Gegenwind einen nicht rollen lassen wollte
Die bei trockenem Wetter flowigen Waldabfahrten verwandelten sich in einen verwurzelten und verschlammten Tanz auf der Schmierseife.
Kettenrisse und extrem verformte Laufräder liessen erahnen, was den Konkurenten widerfahren ist.
In den oberen Lagen des Schwarzwaldes gesellte sich noch Nebel und Eiseskälte dazu.
Lediglich für einen Moment hörte es auf zu regnen, damit der Hagel mehr Platz zum Fallen hatte
Mensch und Technik gelangten zahlreich an ihre Grenzen und wurden am Streckenrand behandelt/ repariert.

Doch trotz dieser widrigen Umstände haben sich auch wie in den vergangenen Jahren zahlreiche Zuschauer an die Strecke gestellt, um die Sportler nach Leibeskräften anzufeuern.

Nach fast 5 Stunden Kampf zeigte sich der Schwarzwald dann von seiner besten Seite. Die Sonne kam heraus und die letzten 12 km Abfahrt bis ins Ziel liessen alle zuvor erlittenen Qualen schnell vergessen.

Nach 5:23 Stunden hatte ich es dann geschafft.
Als 56. in meiner Altersklasse und 172. in der Gesamtwertung fuhr ich über die Ziellinie.

Ob ich im nächsten Jahr wieder am Start stehe?

Ganz sicher!

Gruß Marco