CIMG2903An Christi Himmelfahrt 2011, diesmal spät im Jahr am 2.6. machte Joe sich auf Richtung Waimes, um dort einen Ardennen-Marathon mit Zeitnahme zu fahren. Der Ort Waimes (ich weiß noch nicht mal, wie das ausgesprochen wird) liegt ca. 100 Kilometer und ca. 1,5 Autostunden von Heinsberg entfernt in der Nähe von Malmedy. Lest seinen tollen Bericht von diesem Tag. Und hier noch der Link zur (unter anderem deutschen) Webseite: http://www.les-cimes-de-waimes.be/de/ 

Zur o.g. Veranstaltung wollte leider keiner meiner sonstigen Mitbiker mitfahren, also habe ich einen Blick auf die gemeldeten Teilnehmer im Internet geworfen und einen Herrn Wilfried Sonnenschein aus Wassenberg gefunden, der  für den Halbmarathon gemeldet hatte. Auskunft angerufen, mit Herrn Sonnenschein ein erstes nettes Telefonat geführt und für Donnerstag um 6:45 Uhr in Wassenberg verabredet.

In Wassenberg angekommen, nur noch kurz mein Bike in Wilfrieds Fahrzeug eingeladen und ab nach Belgien.  Als ich seine Hightech Carbon Feile Marke Specialized beim Umladen sah, wurde ich schon neugierig. Nach einer guten Stunde Kommunikation im Auto wußte ich sicher, dass dies ein hervorragender und lustiger Tag werden würde. CIMG2848

Ich hatte den schnellsten Büttenredner Deutschlands als Chauffeur neben mir sitzen. Zudem hat Wilfried (der auf den Bildern mit dem längsten Schnäuzer), übrigens 62 Lenze jung, alle großen Marathons in Deutschland und teilweise benachbartem Ausland mindestens schon einmal unter die Stollen genommen hatte. Namen wie Black Forest, Super Dolomiti, Albstadt, Craft Bike Trans Germany, Granfondo, Spessart MTB Marathon usw. alle schon gefahren und mit Sabine Spitz auch schon ein Bierchen am Stehtisch geschlürft.

Kurz vor Ankunft in Waimes der Schock, ich hatte meine 15 mm Steckachse fürs Vorderrad im Auto in Wassenberg liegen lassen. Zum Umdrehen zu spät, fuhren wir einen kleinen Bikeladen kurz vor Waimes an, klingelten den guten Mann raus, aber obwohl ich ihm nach anfänglichen Schierigkeiten , er sprach kein Wort Englisch, Deutsch oder Niederländisch und ich kein Wort Französisch, mein Anliegen klar machen konnte, konnte er mir nicht weiterhelfen.

Aber ich hatte ja Wilfried dabei, der mir Trost spendete und für den jedes Glas halb voll ist. Wir finden schon so ein Teilchen. In Waimes angekommen, erst mal eine Parkplatz finden vor lauter mit MTB beladenen Autos. Zur Einschreibung habe ich mein Bike geschoben, Startnummer abgeholt und schon mal nach einer Steckachse gefragt. Ich wurde an einen netten deutschsprachigen Belgier verwiesen, der mir dann eine Achse geliehen hat.

CIMG2850Es wurde in 250ér Blöcken gestartet, der erste Block für den Marathon, dann die ersten 250 des Halbmarathons usw. Vorne im ersten Block standen die Heroen dieses Sportes vereint nebeneinander, ausgewählt nach den zuletzt erzielten Ergebnissen in diversen Marathons. Alle höchstens 1,75 Meter groß, kein Gramm Fett zu viel, frisch rasierte, braungebrannte, gänsefetttriefende Keulen mit ihren 9,356 bis, je nach Menge der Kettenschmiere 9358 kg schweren Carbon-Boliden meist in Hardtail-Ausführung.

Wilfried startete noch vor mir im ersten Block des Halbmarathons bis dann meine Wenigkeit mit den für diesen Sport idealen Abmessungen von 1,92m knapp 10 kg Übergewicht und Beinen, die bewaldeten Streichhölzern mit der Farbe einer auf der Restglut nicht mehr fertiggegrillten Weißwurst gleichen, an den Start ging. Zudem wurde mein Radel skeptisch beäugt, so als würde es denn Werkstoff Alu nicht mehr geben und einen versenkbaren Sattel habe ich bei den anderen 1500 Teilnehmern auch keinen gesehen.

Ich hatte ein klares Ziel, unter 7 Stunden zu bleiben und nicht unter den letzten zehn Teilnehmern zu landen, daher hatte ich nicht so viel Zeit Bilder zu schießen. Einige habe ich angehangen, aber wie immer, spiegeln diese in keinster Weise die Gegebenheiten vor Ort wieder.

Der Marathon war perfekt organisiert, an jeder Straße die überquert werden mußte standen mindestens 2 Mann, teilweise auch 4, die wenn sie auch nur einen Fahrer aus der Ferne sahen, sofort den Verkehr stoppten.  Bei der Einschreibung ebenfalls keine Wartezeiten. An den 4 Verpflegungsstellen gab es die hier bekannten Dinge und darüber hinaus noch Reisfla und frisch zubereitetes Omelett.

Hier gab es ebenfalls keine Schlangen oder Engpässe, ganz im Gegenteil. An der dritten Verpflegungsstelle habe ich 22, in Worten zweiundzwanzig überwiegend gutaussehende Mädels gezählt, die sich fast um jeden Teilnehmer persönlich kümmerten.

CIMG2895Alle zwei Kilometer ein Schild mit Notrufnummer, vor jedem Gipfel die Länge der Steigung und die Entfernung zum Gipfel, am Ende für jeden Fahrer frische Nudeln mit Soße, ein aufgebautes Zelt zum Duschen mit selbst bei meiner Ankunftszeit noch heißem Wasser, Bike-Strümpfe als Geschenk, sofortige Rücknahme der Startnummer usw. Ich habe noch keine perfektere Organisation erlebt, hier sind die 20 Euro Startgeld geschenkt, dagegen sind die 5 Euro bei uns für eine CTF Wucher, obwohl ich diese auch gerne bezahle.

Ja und zur Strecke gibt es nur wenig zu sagen, unglaublich schön, unglaublich schwierig, unglaublich hart und fahrtechnisch absolut anspruchsvoll. Wilfried meinte, viele dieser Passagen würde man in Deutschland niemals genehmigt bekommen, da kann ich nur zustimmen. Es gab z.B. einen maximal Handtuchbreiten mit Wurzeln und dem typisch belgischen Granit versehenen Trail , an dem es zur rechten Seite gut 100 Meter steil in die Tiefe ging. Ein anderer Trail vom gleichen Kaliber lief zwischen zwei gespannten Stacheldrahtzäunen durch, die vielleicht 50 Zentimeter Platz ließen.CIMG2901

Am Ende stellte der marathonerfahrene Wilfried fest , dass er so viele und heftige Wurzelpassagen noch auf keiner Veranstaltung vorgefunden habe. Er ist übrigens fast alle Passagen mit seiner Rennsemmel gefahren. Ich habe doch das eine oder andere Mal einige Meter geschoben, weil mir die Brocken einfach zu groß waren. Kleine Anekdote: An einer dieser unendlich langen Wurzelpassagen fuhr ich für meinen Geschmack schon fast zu zügig mit abgesenktem Sattel hinunter, da überholte mich ein Racer mit Starrgabel und einer Sattelüberhöhung von geschätzten 10 Zentimetern, Wahnsinn!

CIMG2887Wilfried ist im Halbmarathon als 412 in 5 Stunden 17 Minuten ins Ziel „geflogen“. Ich ziehe ganz tief meinen Hut vor seiner Leistung. Ich habe aber auch meine selbst gesteckte Norm erfüllt und als 694 im Marathon in 6 Stunden 38 Minuten noch mehr als zehn Starter hinter mich gelassen.

Wilfried kennt übrigens deine Seite und hat auch schon mehrfach reingeschaut, hatte aber den Eindruck hier wären nur Profis unterwegs.  Ich habe ihm versichert, dass er uns sicherlich fast alle in Grund und Boden fährt und habe ihn hoffentlich für unsere Ausflüge begeistern können. Es wäre für unsere Truppe sowohl menschlich als auch biketechnisch eine Bereicherung !

Vielleicht ist der Bericht ein wenig lang ausgefallen, aber interpretiere einfach mal die Länge als Ausmaß meiner Begeisterung. Diese Veranstaltung hat für mich im nächsten Jahr höchste Priorität, wenn ich irgendwo starten werde, dann sicherlich hier.

Den Track stelle ich nicht als Download zur Verfügung, da es teilweise auch über Privatgelände ging, welches nur für den Tag des Marathons freigegeben wurde.

Soweit Joe's Schilderung. Seine Bilder findet ihr hier. Als Ergänzung und zur Info habe ich noch eine Übersicht über den Streckenverlauf und das Höhenprofil angehängt. In nackten Zahlen: 85 Kilometer lang und GTA weist ca. 1250 Höhenmeter aus.

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