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Schon länger spielte ich mit dem Gedanken, mal ein E-MTB ausgiebig auf den bekannten Hometrails probezufahren. Gestern habe ich meinen Plan umgesetzt. Es war übrigens das erste Mal, dass ich auf einem E-MTB saß und so bin ich unvoreingenommen in die Testfahrt gegangen.

Giant hat ab 2017 auch optisch durchaus ansprechende E-Bikes im Angebot. Mario, Inhaber von van Bronckhost Cycles & Service in Wegberg hatte mir angeboten, mir mal ein "Giant Full-E+ 1 LTD-A" (140mm Federweg vorne und hinten sowie dicke Plus-Reifen) für eine Probefahrt zu leihen.  

Auf den Trails um die Dalheimer Mühle und die MERU http://www.meru-vlodrop.nl/ habe ich es gestern ausführlich getestet, unter anderem auch, um bergauf die Fähigkeiten auf dem Broken-Chain-Hill und den kurzen Anstieg im Rothenbach-Trail zu prüfen.

 

 Meine Eindrücke zum E-MTB:

  • E-MTB fahren ist nicht so unanstrengend wie ich vorher gemeint habe. Sich draufsetzen, am Gashahn drehen und ab gehts ist nicht. Du musst schon noch treten und je nach Unterstützungsstufe ist das auch schweißtreibend (trotz der derzeit kühlen Temperaturen) und anstrengend. Auch Schalten darfst du nicht vergessen.
  • Am besten habe ich die Unterstützung beim Uphill und beim Beschleunigen nach Kurven im Singletrail gespürt. Auch das Queren von Schlammlöchern ist merklich einfacher.
  • Bei gerader und ebener Strecke habe ich die Unterstützung kaum gespürt. Im Modus "Normal" (es gibt Power, Normal, Eco und Off) gleicht der Motor gefühlt das Mehrgewicht und den Rollwiderstand der dickeren Reifen aus.  Da ist der Unterschied zwischen E-MTB und "normalen" MTB für mich kaum zu spüren. Als Tourenbike würde das E-MTB daher für mich nicht in Frage kommen.
  • Die Stärken des E-MTB liegen in anderen Bereichen. Bergauf, egal mit welchem Untergrund, ist mit dem E-Bike ein Genuß. Anfangs habe ich es wie gewohnt mit zusätzlichem Kraftaufwand versucht, bis ich feststellte, dass ich es mit dem E-MTB mit weniger Krafteinsatz, sondern eher gleichmässig pedalierend besser schaffe. Bergauf fahren in anspruchsvollerem Gelände erfordert eine ganz andere Technik als mit dem "normalen" MTB. Dabei musste ich stets aufpassen, dass das Vorderrad nicht steigt und aktiv Gewicht verlagern. Das beste Beispiel, was möglich ist, erlebte ich in einem steilen Uphill in dem noch dicke und dünne Äste aus kürzlich erfolgten Rodungen lagen. Da hätte nicht nur ich, sondern auch jeder andere Biker mit einem normalen Bike absteigen müssen. Das E-MTB hat mich einfach drüber gezogen.
  • Ebenso sind Wurzeltrails, egal ob eben oder bergauf kein Problem. Ich habe einfach das Gas stehen lassen und drüber gings. Faszinierend!
  • Mario hatte mich gewarnt und ich habe es selbst erlebt. Beim Rothenbach-Trail im Power-Modus musste ich aufpassen, dass das Bike mich nicht beim Antritt gegen einen Baum schiebt. So stark ist die Unterstützung beim Antritt. Da ist doppelte Konzentration gefragt. 
  • Insgesamt hatte ich bei jedem nachdrücklichen Antritt ein Gefühl, als wenn jemand mir von hinten einen Schubs gab.

und damit komme ich zu den negativen Eindrücken, denn die gab es auch

  • dadurch, dass ich das Gefühl hatte, dass jemand mir bei jedem Antritt einen Schubs gibt, fällt es schwer, einen "runden" Tritt zu fahren. Es ist immer ein wenig "abgehackt".
  • Der Modus "Eco" bietet kaum Unterstützung. So bin ich überwiegend im "Normal"- Modus gefahren. Als ich wieder bei Mario ankam hatte ich nach 40 Kilometern noch 7% Akku (beim Start waren es allerdings auch nicht 100%, sondern "nur" 88%). Mario meint, für die relativ kurze Reichweite ist aber auch die Kälte verantwortlich.
  • Bei ausgeschaltetem Motor (Modus "Off") hatte ich den Eindruck, gegen einen Motorwiderstand antreten zu müssen. Mario meinte, dass der Motor im Modus "Off" entkoppelt ist und das nicht sein kann. Er führt diesen Eindruck eher auf das Gesamtgewicht und die dicken Reifen zurück.
  • Das Geräusch des Motors beim Fahren war sehr ungewohnt. Es übertönt teilweise die Umgebungsgeräusche. Es ist kein Summen, wie ich es erwartet hatte, sondern eher ein leichtes "Mahlen". Ob ich mich daran gewöhnen könnte, weiß ich nicht, aber es hat mich bei der heutigen Tour doch nicht gerade wenig gestört.

Allgemeine Eindrücke zum Bike an sich:

  • Mit den superbreiten Plus-Reifen hatte ich immer Traktion. Selbst nassglatte Wurzeln waren kein Problem.
  • Bergab war alles fahrbar und dazu noch sehr easy. Das Bike liegt sehr satt, was natürlich auch am hohen Gesamtgewicht liegen dürfte. 
  • Sprünge sind trotz des hohen Gewichts problemlos möglich.
  • Das Hinterrad versetzen ist möglich. Ich musste aber natürlich wegen des Gewichts mehr Kraft und Nachdruck aufwenden. 
  • Um das Bike über ein Hindernis zu heben oder Treppen hochzutragen brauchte ich wegen des im Vergleich zu einem normalen MTB doppelten Gewichts, doch schon einige Kraft. 

Mein persönliches Fazit: Derzeit würde ich mir ein E-MTB nur als Bike für die Trails kaufen. Da macht es richtig Laune, zumal ich nicht zu den Uphill-Liebhabern gehöre. Ich würde aber auf jeden Fall für längere und/oder entspannte Touren mein leichtes Canyon Nerve behalten. 

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch mal auf Mannis Testfahrt eines E-MTBs im Herbst 2016 verweisen, der zu ähnlichen Eindrücken wie ich kam

Und zum Schluß möchte ich mich noch einmal auf diesem Weg ganz herzlich bei Mario für das Ausleihen des Bikes bedanken.  

Hier könnt ihr euch die Reaktionen auf Facebook ansehen.

Ergänzung 23.03.2017: Mittlerweile habe ich ein E-Bike gekauft. Warum es ein Specialized Levo geworden ist, könnt ihr hier nachlesen.

Ergänzung 17.02.2017: 

In der Gruppe "MTB-Heinsberg - gemeinsam biken" fragte Marco nach Erfahrungen mit E-Bikes. Die Antworten könnt ihr euch mit diesem Link ansehen. Dazu müsst ihr bei Facebook angemeldet sein (Um zusätzlich posten und kommentieren zu können, ist eine Mitgliedschaft in der Gruppe "MTB-Heinsberg - gemeinsam biken" erforderlich. Die Gruppe ist öffentlich. Jeder kann beitreten).