Die Titelfrage habe ich mir selbst bisher nicht stellen müssen, weil ich durch meine langjährige Erfahrung so gute Ortskenntnisse habe, dass ich die Frage für mich bisher immer "aus dem Kopf" beantworten konnte. Allerdings sind nicht alle in dieser glücklichen Lage. Beispiele vom vergangenen Sonntag? Frank: "Kannst du mir auf die Schnelle eine Strecke von Saeffelen bis Ratheim basteln?" Oder Dirk: "Wenn ich wüsste, wie ich von Mönchengladbach nach Ratheim biken kann, hätte ich überlegt, mit dem Rad zu kommen."
 
Das hat mich veranlasst, mich mal mit dem Thema zu beschäftigen. Die Frage lautet: "Wie bike ich mit Hilfe des Smartphones auf einfachen Wegen abseits des Verkehrs zu einem bestimmten Punkt oder zum Beginn eines Tracks, den ich nachfahren möchte?" Dabei kann ich euch nur die Möglichkeiten für Smartphones mit Android und für PCs zeigen, da ich kein iPhone besitze. 

Ich habe mir verschiedene Möglichkeit angesehen (Locus, komoot, HereWego, Mapquest, Openrouteservice, Skobbler, Radroutenplaner NRW und Google Maps) und bin zunächst zum Ergebnis gekommen, dass Google Maps meine Empfehlung ist/war. Google Maps bietet verschiedene "Verkehrsmittel", für die die Routenberechnung erfolgen kann. Für uns Mountainbiker würde sich auf den ersten Blick "Mit dem Fahrrad" anbieten. Auf den zweiten Blick können wir uns aber auch für "zu Fuß" entscheiden, denn mit unseren MTBs unterliegen wir ja nicht den Beschränkungen wie "normale" Radfahrer, sondern können ja auch sehr schmale oder holprige Wege befahren und Klettersteige mit Tragepassagen sind in unserer Gegend eher nicht zu erwarten. Wie erste Tests ergaben, weicht Google Maps bei seinen Vorschlägen für "zu Fuß" auch in einigen Bereichen auf ungeteerte Wege ab.

Als ich meine theoretischen Ergebnisse allerdings dann in der Praxis prüfte, stellte sich heraus, dass Google Maps einen entscheidenden Nachteil hat. Beim Nachfahren einer "zu Fuß"-Route wurde die Karte nicht "in Fahrtrichtung" gedreht wie es nach meinem Wissen die meisten Biker gewohnt sind. Bei einer Route "mit dem Fahrrad" klappt das dagegen problemlos.

Da damit nur das Routing auf eher langweiligen Teerstraßen übrig blieb, bin ich nochmals auf die Suche gegangen, habe aber eine andere Herangehensweise gewählt. Ich habe mal geschaut, welche Apps im Google Play Store angeboten werden. Dabei wurden Komoot, ApeMap, Outdooractive, Naviki, Bikemap und GPSies besonders empfohlen. Da ich zur Routenplanung wegen des grösseren Bildschirms gerne den PC nutze, habe ich die rausgefiltert, die kein Routing (Eingabe von Start und Ziel) am PC ermöglichen. Übrig blieben damit komoot, Naviki und Bikemap. Mir persönlich hat komoot am besten gefallen, weil es die umfangreichsten Möglichkeiten bietet.

Meine Tests haben ergeben, dass mich sowohl Google Maps(-Webseite) (Link zur Android-App) als auch komoot(-Webseite) (Link zur Android-App) sicher zum Ziel routen. Google Maps beschränkt sich (brauchbar) auf das Routing für Fahrräder, schlägt allerdings meist 3 verschiedene Routen vor. Komoot bietet darüber hinaus auch noch die Optionen Wanderer, Läufer, Rennrad und Mountainbike (in der App noch zusätzlich Fahrrad (mit Schotter), Mountainbike (Alpin) und Bergsteigen), allerdings im Gegensatz zu Google Maps nur mit jeweils einer Variante.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und mir von Google Maps und komoot Vorschläge für das Routing zu 5 verschiedene Zielen mit verschiedenen Verkehrsmitteln machen lassen. Die habe ich dann mit Hilfe meines Kopf-Navis verglichen und bin zum Ergebnis gekommen, dass bei 4 von 5 Zielen komoot das (für mich) bessere Ergebnis liefert und 1x Google Maps.

Insgesamt kann ich folgende Empfehlung geben:
• wenn es schnell auf glatten Wegen gehen soll > komoot "Rad"
• wenn es auch mal etwas holperiger sein darf > komoot "MTB"
• die schönsten Routingvorschläge für Mountainbiker liefert meistens komoot "Wandern". Da könnten aber auch mal Abschnitte dabei sein, bei denen nicht klar ist, ob sie befahrbar sind.

Insgesamt darf man bei der Streckenwahl keine Wunder erwarten. Oft erfolgt die Routenführung für das Verkehrsmittel "Fahrrad" an Hauptstraßen vorbei auf Radwegen. Bei komoot sind die Varianten für Wanderer, Läufer und MTB meist ähnlich und verlaufen häufiger auch mal abseits von Haupt- und Nebenstraßen. Beide können aber keinesfalls von Hand geplante Routen ersetzen. Das vorgegebene Routing ist wirklich vorwiegend dafür geeignet, um zu einem vorgegebenen Punkt zu biken. Das war aber auch nicht anders zu erwarten.

Hier nochmal auf einen Blick Pro & Contra für Google Maps und komoot:
Google Maps
Pro:
• 2-3 Alternativrouten
• App und Karten kostenlos
• Routen können an das Smartphone übertragen werden  Hier erklärt Google wie und unter welchen Voraussetzungen das geht
• offline Karten (also Karten, die man ohne Internet-Verbinung unterwegs nutzen kann) weltweit
• Routing wird auf Wunsch unterwegs angepasst

Contra:
• Wanderung wird nicht in Fahrtrichtung ausgerichtet
• kein Download der Route möglich
• Änderungen an der Route werden bei der Übertragung an das Smartphone nicht gespeichert.

komoot
Pro:
• App kostenlos
• Änderungen an der Route werden gespeichert
• Route steht nach der Speicherung in der komoot-App zum Nachfahren zur Verfügung
• Routing wird auf Wunsch unterwegs angepasst 
• Track kann als gpx-Datei runtergeladen werden
• Vielzahl von verschiedenen "Verkehrsmitteln"

Contra:
• immer nur eine Alternative,
• Nur eine Region kostenlos, weitere Karten kostenpflichtig
• Eine Anzeige der Karte (und wahrscheinlich auch die Anpassung des Routings) außerhalb der erworbenen Regionen erfolgt nur bei einer mobilen Datenverbindung

 

So werde ich persönlich in Zukunft vorgehen:
Wenn ich mit dem Bike mal zu einem vorgegebenen Punkt fahren möchte (und den Weg nicht per Kopf-Navi planen kann), lasse ich mir am PC von komoot Routen für verschiedene Verkehrsmittel vorschlagen, suche mir die am besten geeignete aus und lade mir diese als gpx-Datei runter. Die importiere ich dann in die Locus-App und fahre sie nach. Das hat zwar den Nachteil, dass ich mir das Routing nicht unterwegs anpassen lassen kann, aber dafür ist die Kartendarstellung in der Kombi Locus/Openandromaps der von Google Maps und komoot haushoch überlegen. Trotzdem lasse ich die Google Maps- und die komoot-App auf meinem Handy installiert, wenn ich unterwegs mal einen Vorschlag für ein Routing benötige (man weiß ja nie), denn die von mir genutzte App Locus kann zwar Routing, aber das ist so kompliziert, dass ich es nicht empfehlen kann.